Die Autorin steht mir zusammengelegten Händen vor einer Sonnenblumenhecke und zeigt, wofür sie sich selbst heute dankbar ist

Wofür ich mir selbst dankbar bin

Wir, das sind meine Tochter und ich, sind für ein paar Tage in Berlin. Meine Tochter hat vor Ewigkeiten Konzerttickets für DIE ÄRZTE ergattern können. Im Vorwege ist fast alles schief gelaufen, was möglich ist. Meine Tochter hat kurz vor der Abreise einen Infekt und sehr hohes Fieber, so dass wir die Super-Sparpreis-Tickets verfallen lassen müssen und später fahren. Am Abend des Konzerts führt eine Unwetterwarnung zur Absage des Konzerts. Wir sind deprimiert, besonders meine Tochter.

Ich möchte nicht so weit gehen zu sagen, es sei alles gut. Nach den üblichen Beschwichtigungen – alle leben noch, in einer großen Stadt können wir viel unternehmen, es geht uns besser als so vielen anderen Menschen undsoweiter – fahren wir Richtung Gedächtniskirche und gehen ins BIKINI, dieses besondere Shoppingcenter, das wir gern mögen. Wir durchstöbern einige Geschäfte, kaufen ein Mitbringsel für unsere Gastgeberin (einen Flamingo-Bausatz für die Flamingo-Begeisterte), holen uns einen Kaffee und setzen uns vor das große Panoramafenster zum Tierpark. Dort beobachten wir sehr lange die Paviane. Es hat etwas Meditatives und sehr Erdendes, dort zu sitzen und dem Spielen, Schmusen, Streiten zuzusehen.

Irgendwann gehen wir und suchen den Jeanne-Mammen-Bogen. Dort sind ein paar kleine Restaurants, die wir mögen. In der Vergangenheit logierten wir mehrmals auf der Ecke. Vor dem schönen griechischen Restaurant kouzina trinken wir eine grüne Berliner Weiße und teilen uns köstliche Spinat-Feta-Taschen. Atmen Berliner Flair, werden in kurzen Abständen leicht gerüttelt, weil das kouzina eins der Restaurants ist, die in S-Bahn-Katakomben gebaut sind, und können den Abend ein bisschen genießen. Wir erinnern uns, dass wir vor fast genau drei Jahren mit meiner Cousine aus Texas und ihrer Tochter dort waren, und wir schicken Nachrichten und Bilder. Die Cousine hat außerdem genau an diesem Tag Geburtstag, und wir machen ein paar Videos. All das fühlt sich gemütlich und verbunden an und bringt uns wieder zurück zu uns. Wir beenden den Abend früh und fahren in unsere Gastgeberwohnung zurück. Verschwitzt und nass, denn es ist nach wie vor schwül, und es regnet immer wieder.

Und wofür genau bin ich mir dankbar?

Ich kann fast jede Situation reframen, sprich, in ein anderes Licht, einen anderen Rahmen, setzen und mich so weit regulieren, dass ich nicht in tiefe Verzweiflung falle. Im aktuellen Fall war es NUR eine Reise ohne eigentlichen Inhalt, NUR ein abgesagtes Konzert, für das es eine Erstattung und keinen Ersatztermin gibt, NUR viel ausgegebenes Geld in einer Zeit, in der wir auch gemütlich zuhause hätten sein können. NUR viel Vorfreude für letztendlich nichts und NUR dieses gewisse Gefühl der Leere.

Reframing lässt sich in fast jeder anderen Situation anwenden. Es gibt dazu mehrere Artikel von mir, zum Beispiel diesen:

Noch vor einigen Jahren hätte ich mich an solch einem Abend gefragt, warum so etwas IMMER mir passiert. NUR mir und immer WIEDER. Ich hätte den ganzen Aufenthalt in Frage gestellt und nichts Vernünftiges mehr hinbekommen, weil es ja schon aufwändig war, mich zu bedauern. Etwas übertrieben vielleicht, aber im Kern wahr.

Heute bin ich mir dankbar dafür, dass ich immer wieder an meiner Opferrolle gezweifelt habe, bis ich mich aus ihr befreien konnte. Dankbar, dass ich viel Zeit und Geld in meine Persönlichkeitsentwicklung investiert habe und immer wieder nachjustiere, wenn ich spüre, ich bin im Unreinen mit mir. Dankbar, dass ich meine Gefühle regulieren kann. Das war nicht immer einfach. Während ich es schreibe, scheint es selbstverständlich und einfach. War es aber nicht. Für mich nicht und für unglaublich viele andere auch nicht. Und dass ich das anerkennen kann statt es runterzuspielen, ist ein weiterer Grund für mich, mir dankbar zu sein für meine Arbeit an mir selbst.

Zur Inspiration findest du *HIER* meine 100+ Gründe für Dankbarkeit.

Wofür bist du dir heute dankbar? Schreibe es mir gern! Und wenn du gar nichts findest, aber gern finden würdest – dann melde dich erst recht bei mir:

Dieser Artikel ist am 7. Tag der der Sommer-Blodekade 2022 entstanden. Seit dem 21.08.2022 schreiben viele Bloggerinnen in TheContentSociety innerhalb von zehn Tagen bis zu zehn Blogartikel. Für mich ist es die dritte Blogdekade, und ich liebe diese rauschhafte Schreiberei ohne Perfektionismusgedanken (na, fast ohne). Wenn du meine und andere Artikel dazu lesen willst, findest du sie unter #blogdekade auf Instagram und Facebook. Viel Spaß dabei!

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