Beim Schreiben eines Artikels über Reframing am Laptop setzt sich die Katze auf die Tastatur

Reframing schnell erklärt

Nicht die Dinge an sich sind es, die uns beunruhigen, sondern vielmehr ist es unsere Interpretation der Bedeutung dieser Ereignisse, die unsere Reaktion bestimmt.

Marc Aurel

Reframing bezeichnet, kurz gesagt, das „Um-Rahmen“ einer Auffassung, eines Glaubenssatzes durch einen Wechsel der Perspektive. Ich möchte es an einem Beispiel erläutern:

Stelle dir vor, du sitzt in einem Vorstellungsgespräch. Du bist nicht mehr zwanzig, habst auf dem Weg in den Besprechungsraum einige sehr dynamische Menschen gesehen, die jung und von sich überzeugt wirken, laut und in firmeninternen Begriffen reden. Dein Interviewpartner kommt in den Raum, selbstbewusst, deutlich jünger als du, und du sinkst innerlich in dich zusammen, denkst „das kann nichts werden, gegen Jüngere habe ich nie eine Chance“.

Wo kann Reframing hier ansetzen?

Du fokussierst dich im Beispiel nur auf deine vermeintlichen Defizite:

  • Dein Alter
  • wenig Auslandserfahrung
  • kein Digital Native
  • aus deiner Sicht maximal mittelmäßiges Englisch und sehr wenig Spanisch
  • unzählige weitere Gedanken, die dich in kein gutes Licht stellen

Wahrscheinlich hast du schon oft gehört, ab 30 geht es bergab. Was man bis dahin nicht zumindest vorbereitet hat, wird sowieso nichts mehr. Was zählt, sind nur Urkunden, Diplome, Zeugnisse. Du glaubst es und setzt damit deinem professionellen Selbstbild einen sehr düsteren und engen Rahmen, dein Ziel ist hinter hohen grauen Mauern und für dich nur unter extremsten Anstrengungen und Verbiegungen zu erreichen. Es gehen dir Sätze durch den Kopf wie

  • „Das wird nicht funktionieren.“
  • „Das lerne ich nicht mehr.“
  • „Ich werde hier nie Fuß fassen“

Sieh dir sich das mal an – hilft dir dieses Bild weiter? Ermuntert es dich, frisch und selbstbewusst deine Stärken auf den Diskussionstisch zu bringen? Wahrscheinlich nicht!

Wie wäre es damit, wenn du – am besten schon vor dem Gespräch – deine Stärken ansiehst? Deine Erfahrung, deine Ausbildungen, deine bisherigen Erfolge, nicht nur im Beruf? Was hast du an Zeit und Engagement in deine Bildung investiert, was hältst du in deinem inneren Werkzeugkoffer bereit? Hast du im Ehrenamt Führungsaufgaben wahrgenommen, vielleicht eine Aufräumaktion organisiert? Deine Küche geplant, budgetiert und aufgebaut? Was konntest du schon als Kind so richtig gut und tust es heute noch gern? Das alles wirf jetzt in die Waagschale. Was macht dich aus? Es sind nicht die Diplome, die einen wertvollen Mitarbeiter aus dirmachen, sondern deine Erfahrung, deine Art, dein Auftreten, dein gesamtes Wesen.

Wie verbessert Reframing deine Position?

Wechsele den Rahmen. Weg mit dem düsteren alten Ding, dem entmutigenden Bild! Nimm einen hellen, hübschen Rahmen, vielleicht mit dem Bild eines schönen Weges in die Sonne. Stelle dir vor, du gehst diesen Weg, auf eine Zukunft in schönen Farben zu, um dich herum singen Vögel, oder andere Menschen, die an dich glauben, ermuntern dich. Wie bist du dann unterwegs? Genau!

Drehe die Sätze von oben um. Wie wäre es mit

  • „Das habe ich noch nie versucht, das probiere ich jetzt aus.“
  • „Wie spannend, etwas, was ich noch nicht kenne – das will ich lernen!“
  • „Das sieht nach einer Herausforderung aus, die ich annehme.“

Wie fühlt sich das an? Besser, nicht wahr?

Meine Coachees mögen Reframing, weil es zeigt, wie einfach ein veränderter Blickwinkel wirken kann, und wenn es nur dieser beliebte kleine Unfall am Morgen ist:
Es ist Zeit loszugehen, da kippt mir der Kaffee übers sorgsam für heute ausgesuchte Kleid. Ich könnte augenrollend gen Himmel sagen „das passiert immer nur mir, DER Tag ist im Eimer“. Früher habe ich das tatsächlich geglaubt und bin pessimistisch in den Tag gestartet, der ja definitiv nichts Gutes mehr in petto haben konnte. Ich kann aber auch kurz zucken, mich schnell umziehen und mich auf den Rest des Tages freuen, der sicher viele schöne Momente enthalten wird, und sei es als Entschädigung für den blöden Kaffee.


Wünschst du dir auch manchmal Unterstützung bei der Änderung deines Blickwinkels? Nichts leichter als das – lass uns unverbindlich schnacken!


2 Kommentare zu „Reframing schnell erklärt“

  1. Pingback: 7 Tipps für ein garantiert nutzloses Coaching - Silke Geissen Coaching

  2. Pingback: Ist dir alles zu viel? Nimm eine Auszeit (Reframing)! - Silke Geissen Coaching

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Scroll to Top