Persönlichkeitstest – meine Big Five

Diese Woche schlägt Judith Peters in unserer Blogger-Community das Thema Persönlichkeitstest vor. In mir regt sich Widerstand, lasse ich mich doch nicht gern in Schubladen stecken. Außerdem bin ich gut darin, die Antworten nach meinem Geschmack zu manipulieren, damit ich gut dastehe. Tue ich dieses Mal nicht, ich will dem Test eine echte Chance geben. Beim letzten Anlauf habe ich so ziemlich alles an Persönlichkeitstests ausprobiert, was ich finden konnte, um dann zu erleben, was ich immer bei zu viel Auswahl erlebe: Ich konnte mich nicht mehr entscheiden. Das soll dieses Mal anders sein. Ich vertraue Gesa Oldekamp und ihrem analytischen Verstand. Sie empfiehlt den Big Five-Test der Uni Leipzig. Den arbeite ich grottenehrlich und reflektiert durch. And here we go!

My big Five

Der Big Five-Test untersucht die fünf Persönlichkeitsdimensionen Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Emotionale Stabilität und Offenheit. Jede dieser fünf Dimensionen ist in weitere drei Facetten unterteilt, die ich im Verlauf vorstelle. Dabei gehe ich darauf ein, was die Facetten nach meinem Verständnis bedeuten, wie der Test auf mich passt und welche Bedeutung und Vorteile die Ergebnisse für die Arbeit mit mir haben.

1: Extraversion

Als erste Persönlichkeitsdimension der Big Five ist die Extraversion dran. Passend dazu reißt die Autorin, auf dem Foto in Blau gekleidet, freudig die Arme hoch.

Extraversion kennzeichnet eine soziale, nach außen gerichtete und energiereiche Art. Extravertierte Personen sind gesellig, aber auch durchsetzungsfähig und aktiv. Personen mit niedriger Extraversion sind hingegen in sozialen Situationen eher zurückhaltend.

Universität Leipzig, Fakultät für Lebenswissenschaften

Die Extraversion, die bei mir sehr hoch ausschlägt, unterteilt sich in die Bereiche Geselligkeit, Durchsetzungsvermögen und Energieniveau. Was kann ich dazu sagen?

Geselligkeit

Ich bin sehr aktiv, präsentiere mich und meine Arbeit gern vor Menschen, kann bedingt in großen Gruppen interagieren. Äußerst bedingt. Mein filterloses Gehirn schafft es nicht, in Gruppen lange aufmerksam zu bleiben. Dabei verliere ich mich gelegentlich. Ich finde mich zum Glück immer wieder. Mein inneres Kind möchte gern Teil großer Gruppen sein, mein erwachsenes Ich kann das nicht durchgehend liefern. Wir einigen uns auf punktuelle Gruppeninteraktionen. Als Midlife Coach liebe ich Einzelsitzungen, am liebsten in der Natur, sowie kleine Gruppen mit Arbeitsaufträgen und Zwischendurch-Meetings. Mit meinem JA-Kurs ist die Saat gelegt, als Königsdisziplin schwebt mir ein Retreat vor, in dem ich mit anderen Menschen eine kleine Gruppe wunderbarer Menschen bereichere. Ungefähr so wie mein Aprilscherz-Retreat, allerdings ohne Substanzen.

Durchsetzungsvermögen

Im Laufe meines Lebens habe ich zum Glück gelernt, meine Haltung und meine Meinung genauso ernstzunehmen wie die der anderen. Meistens. Was noch viel schöner ist: Nach und nach erfahre ich, dass das, was ich vorschlage und sage, von meinem Umfeld als wertvoll und umsetzungswürdig aufgenommen wird. Entsprechend werde ich immer mutiger und setze mich durch, wenn mir das Thema und die Menschen, mit denen ich arbeite, wichtig sind.

Energieniveau

Der Test-Wert ist sehr hoch, der höchste der drei Unterpunkte der Extraversion. Ich bin zwiegespalten. Meine sehr fleiß- und leistungsorientierte Prägung empfindet mich überwiegend als nicht besonders energiegeladen. Von außen wird mir ganz anderes gespiegelt, da höre ich häufig, wie aktiv ich bin und was ich alles in einen Tag hineinpacke. Das lasse ich einfach mal stehen.

2. Verträglichkeit

Die Dimension der Verträglichkeit bezieht sich auf das zwischenmenschliche Verhalten. Verträgliche Personen zeigen Mitgefühl für andere, sie sind höflich und vertrauen ihren Mitmenschen. Personen mit niedriger Verträglichkeit sind ihren Mitmenschen gegenüber oft kritischer und scheuen keinen Streit.

Universität Leipzig, Fakultät für Lebenswissenschaften

Zum Thema Verträglichkeit innerhalb der Big Five zeigt sich die Autorin freundlich-versonnen an einen Baumstamm gelehnt.

Die Verträglichkeit, bei mir ein kleines Stück über dem testenden Durchschnitt, wird aufgeteilt in Mitgefühl, Höflichkeit und Vertrauen. Das sehen wir uns mal näher an:

Mitgefühl

Empathie ist weitgehend das, was wir unter Mitgefühl verstehen. Sie ist auf jeden Fall eine Nuance des Mitgefühls. Fühlen zu können, was andere fühlen, macht uns zu mitfühlenden Menschen. Mitgefühl ist laut Test bei mir ziemlich hoch, das wundert mich nicht. Ich bezeichne mich selbst gern als menschenfühlig und spüre, wenn mit meinem Gegenüber etwas nicht stimmt, wenn meine Kundin sich um die wahre Antwort drückt. In meiner Arbeit als Life Coach kann das dazu führen, dass ich hartnäckig aus verschiedenen Richtungen nachfrage, bis ich fühle, dass die Antwort der Kundin echt ist.

Mein Mitgefühl lässt mich meinem Gegenüber achtsam und wertschätzend begegnen. Auch wenn die Situation im Leben meiner Kundin verfahren scheint, fühle ich mich ein, erkenne Muster und Motivationen. Daraus entwickele ich intuitiv Fragen, die meine Kundinnen unterstützen, ihre eigenen Lösungen zu finden.

Höflichkeit

Durchschnittlich höflich, sagt der Test. Vermutlich liegt das an meiner schnodderig-kodderigen norddeutschen Art. Da bin ich manchmal karg und direkt. Zum Glück bin ich empathisch genug, um zu merken, wenn jemand damit nicht so gut klarkommt. Dann lege ich eine Dosis Weichspüler und Etikette nach. Das kann ich auch.

Vertrauen

Vertrauen – da stehe ich ganz weit oben. Damit stimme ich überein. Meine ruhige Ausstrahlung führte früher häufig dazu, dass mir Wildfremde unaufgefordert ihr Leben anvertrauen. Das konnte ich im Lauf der Zeit eindämmen, zum Glück. Jetzt bin ich als Midlife Coach zugänglich und vertrauenswürdig. Deine Geheimnisse sind bei mir gut aufgehoben, du kannst dich ganz öffnen.

3. Gewissenhaftigkeit

Das Foto zum Thema Gewissenhaftigkeit, der dritten Dimension der Big Five, zeigt die Autorin mit übergeschlagenen Armen, Souveränität ausstrahlend.

Eine weitere Dimension der Persönlichkeit ist die Gewissenhaftigkeit. Personen mit hoher Gewissenhaftigkeit sind ordnungsliebend, fleißig, und verlässlich. Personen mit niedriger Gewissenhaftigkeit sind hingegen oft weniger ordentlich und organisiert.

Universität Leipzig, Fakultät für Lebenswissenschaften

Ordnungsliebe, Fleiß und Verlässlichkeit sind die drei Unterdimensionen der Gewissenhaftigkeit beim Big Five-Test. Mein niedrigstes Gesamtergebnis im Test. Ob es wirklich so schlimm ist, wie es sich liest, untersuche ich im Folgenden.

Ordnungsliebe

Auf die Ordnungsliebe komme ich später noch einmal zurück. Was ich jetzt schon sagen kann: Es ist tricky, die Fragen ehrlich zu beantworten, weil ich genau weiß, dass ich hier kein gutes Ergebnis haben werde. Ich liebe Ordnung, sehr sogar. Die Fragen, die sich auf den Ist-Zustand meines Wohnumfelds beziehen, reißen mich im Ergebnis runter. So sehr es mir gefällt, wenn alles ordentlich ist, so wenig gelingt es mir. Zum großen Teil liegt es daran, dass ich nicht allein lebe, ganz unschuldig bin ich aber auch nicht. Ungeachtet dessen habe ich die Fragen wacker und wahrheitsgemäß beantwortet. Das zahlt dann auch auf die dritte Unterdimension ein, die Verlässlichkeit.

Fleiß

Auch so ein Thema. Ich kann sehr sehr fleißig sein. Manchmal macht mir mein überbordender Einfallsreichtum einen oder zwei Striche durch die Rechnung. Daran arbeite ich. Wenn ich etwas wirklich will, verfolge ich es auch mit Fleiß und Konzentration. Die Entdeckung von Deep Work ist eine fundamentale Bereicherung. Ablenkungsfreie Konzentration macht es leichter, fleißig zu sein. Ich mache noch nicht häufig Gebrauch davon, deshalb habe ich keine tolle Angebotsseite und biete nach wie vor Erstgespräche an. Danach mache ich dir dann ein individuelles Angebot für dein Coaching oder deine Trauerrede.

Verlässlichkeit

Bei Verlässlichkeit liege ich im Mittelfeld. Manchmal ist da eine gewisse Lässigkeit, die mich Dinge weniger ernst nehmen lässt, als ich sie nehmen könnte. Und ich kann gut Aufgaben aufschieben. Wie bei einigen anderen Punkten ist es auch mit der Verlässlichkeit so, dass ich für Menschen verlässlich bin, die mir wichtig sind und für die ich wichtig bin. Manches erledige ich auf die vorletzte Minute und gelegentlich verschätze ich mich mit dem zeitlichen Vorlauf. Aber nur dann, wenn niemand außer mir davon betroffen ist. Im professionellen Bereich nehme ich lieber eine Bahn früher, als eine Kundin warten zu lassen.

4. Emotionale Stabilität

Emotionale Stabilität kennzeichnet eine stabile, ausgeglichene Persönlichkeit mit wenig Gefühlsschwankungen. Emotional stabile Personen sind selten ängstlich und niedergeschlagen. Personen mit niedriger emotionaler Stabilität sind hingegen für Stress etwas anfälliger und lassen sich schneller aus der Ruhe bringen als der Durchschnitt..

Universität Leipzig, Fakultät für Lebenswissenschaften

Für das Thema Emotionale Stabilität steht ein entspanntes Foto, die Autorin sitzt auf dem Boden, gegen eine Wand gelehnt, und scheint mit ihrem Leben im Reinen zu sein.

Die Unterdimensionen der emotionalen Stabilität bei diesem Test sind Gelassenheit, Unbeschwertheit und Gefühlsstabilität. Hier werden die Ergebnisse wieder besser.

Gelassenheit

Die Gelassenheit reiferer Menschen ist bei mir Wirklichkeit geworden. Ich erinnere mich, wie ich in einem gastronomischen Job eine Frau Mitte 40, Anfang 50, bediente, die ich als wunderbar gelassen empfand. Sie saß immer wieder allein an einem Tisch im Garten des Cafés, in dem ich arbeitete. Sie träumte oder las und hatte dabei einen entspannt-versonnenen Gesichtsausdruck. Dabei war sie sehr präsent. DAS wollte ich auch haben, dachte ich. Und seitdem nahm ich Frauen wie sie immer wieder wahr. Sie wirken, als hätten sie die großen existenziellen Kämpfe der frühen und mittleren Erwachsenenjahre hinter sich gelassen; jetzt können sie sich in aller Ruhe mit sich selbst und ihrem aktuellen Leben entspannen. In meiner Blogparade „Wechseljahre und dann? Unsichtbar oder Time of your life?“ sind wunderbare Beiträge zusammengekommen, in denen es häufig um Gelassenheit geht.

Mein Wunsch nach Gelassenheit ist in Erfüllung gegangen. Mich kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen, ohne dass ich dabei starr oder lahm wäre. Ich weiß nur mittlerweile, dass vieles die Aufregung nicht wert ist, was mich früher in den Wahnsinn zu treiben schien. Und ich habe eingesehen, dass ich vieles und viele nicht ändern kann. Gelassenheit hilft mir, zum Beispiel in Coachingsituationen einen Schritt zurückzutreten und mir die Situation, das Problem, aus einer anderen Perspektive anzusehen. Ich empfehle dir wärmstens, es einmal auszuprobieren!

Unbeschwertheit

Meine Unbeschwertheit hat in diesem Dimensionen-Terzett den niedrigsten Wert. Die anderen beiden Elemente sind über dem Durchschnitt, hier liege ich genau in der Mitte. Immerhin, damit bin ich zufrieden. Es genügt mir, häufig unbeschwert sein zu können. Und ich habe den Eindruck, es wird gerade wieder mehr. Die alleinerziehenden Jahre mit meiner Tochter haben meine Unbeschwertheit angegriffen, genau wie ihre für uns alle anstrengende Schulkarriere. Die Weichen sind jetzt anders gestellt, wir sind beide viel zufriedener. Und wer weiß, vielleicht habe ich in einem halben Jahr hier einen ganz anderen Wert.

Im ersten Moment dachte ich bei Unbeschwertheit an kindliche Sorglosigkeit. Die ist natürlich nicht mehr so kindlich, eher im Lauf des Lebens von einigen bitteren Erfahrungen getrübt. Eine gewisse Unbeschwertheit im Umgang mit Sorgen kann ich vorweisen. Nicht immer, aber immer wieder. Karin Kuschik, von der ich sehr viel halte, sagt „Sorgen sind wie Pflaster, die man sich aufklebt, bevor man sich geschnitten hat.“ Hat was, oder? Eine Katastrophe wird nicht weniger katastrophal, wenn ich mich vorher kräftig sorge. Und wenn ich mir umsonst Sorgen mache, ist es noch blöder. Insofern: Unbeschwertheit, ich mag dich! Lass uns wieder mehr zusammen machen! Meine Kundinnen sehen viel mehr Unbeschwertheit in mir als ich selbst. Vielleicht ist alles schon da? Du weißt ja, du kannst auf jeden Button in diesem Text klicken und dir im Schnack mit mir einen Eindruck verschaffen.

Gefühlsstabilität

Gefühlsstabilität ist eine der sieben Säulen der Resilienz. Die eigenen Emotionen zu erkennen, zu reflektieren und sich nicht von ihnen überwältigen zu lassen, ist ein wichtiger Bestandteil der Selbstregulierung. Wenn ich bedenke, dass ich früher die reinste Drama Queen war, bin ich sehr glücklich, heute ziemlich stabil zu sein. Natürlich werfen mich heftige Ereignisse aus der Bahn, mein Umgang damit ist aber heute viel geerdeter als früher. Das Testergebnis spiegelt dies erfreulicherweise wider.

5: Offenheit

Die Autorin steht im Grünen und lächelt sehr freundlich in die Kamera. Das Foto steht für die Persönlichkeitsdimension Offenheit als letzten Punkt der Big Five.

Die Offenheit einer Person beschreibt, wie jemand auf neue Erfahrungen und Eindrücke reagiert. Offene Personen interessieren sich für Kunst und Kultur, sind intellektuell neugierig und berichten kreative Einfälle. Personen mit niedrigerer Offenheit stehen Neuem und Veränderungen eher kritisch gegenüber und schätzen das Bewährte..

Universität Leipzig, Fakultät für Lebenswissenschaften

Die Offenheit ist mein stärkstes Gebiet von allen. Interesse an Kunst und Kultur, intellektuelle Neugierde und Einfallsreichtum sind die drei Facetten dieser Persönlichkeitsdimension.

Interesse an Kunst und Kultur

Mein Interesse an Kunst und Kultur ist sehr ausgeprägt. Ich liebe Schönheit, künstlerischen Ausdruck und habe große Ehrfurcht vor Menschen, die Bücher schreiben, Bilder malen, Skulpturen modellieren oder schlagen. Die Schauspielerei beeindruckt mich, Musik berührt mich tief im Inneren. Als Kind und Jugendliche las ich IMMER. Die Sprache der Dichter, Literaten, Märchenerzähler beeinflusst auch meine Sprache. Ich habe einen großen Wortschatz und gehe damit souverän bis virtuos um. Trotzdem erfinde ich immer noch neue Begriffe, auch im Coaching-Gespräch. Ich arbeite gern mit Metaphern, Bildern, Analogien. Dabei inspiriert mich neben der Kunst auch die Natur, in der ich mich beim Coachen gern bewege. Magst du mal mit mir walken und talken?

Intellektuelle Neugierde

Die intellektuelle Neugierde führt mich dazu, mich Neuem zu öffnen, mutig auf Unbekanntes zuzugehen. Ich mag gern Sachverhalte durchdringen, Mechanismen begreifen und Motivationen verstehen. Wer nicht neugierig ist, ist mir unheimlich. Wenn mir ein Thema komplett fremd ist, will ich es mir erschließen. Vor allem, wenn es mit dem menschlichen Tun und Wirken zusammenhängt. Was Menschen antreibt, wie und wohin sie sich entwickeln, auf welche Weise sie mit anderen interagieren, das fasziniert mich.

Ich liebe die Arbeit mit Menschen, sei es als Midlife Coach oder als Freie Rednerin. Ich bin neugierig auf Prozesse zwischen Menschen, und es begeistert mich, sie zu begleiten. Darf ich dich auch begleiten? Dann mach dir einen Termin mit mir, und wir gucken, was wir tun können und wie.

Einfallsreichtum

Eine meiner Lieblingsgaben ist mein Einfallsreichtum. Ich bin kreativ mit den Händen und mit meinem Kopf. Ob ich mit meiner Tochter ein Mosaik an die Terrassenwand klebe, mit unterschiedlichen Materialien Bilder produziere oder mit Menschen an Lösungen arbeite, mir fällt immer etwas ein. Wenn Plan A nicht aufgeht, hat das Alphabet noch genug Buchstaben. Morgens wache ich häufig mit einer Idee auf, die ich am Abend nicht finden konnte, weil ich zu müde war. Morgens ist sie umso präsenter, und wenn es zu einem Coaching gehört, schreibe ich der Kundin gleich eine Nachricht.

Im Coaching erzähle ich manchmal eine Geschichte, ohne zu wissen warum. Während die Geschichte fortschreitet, bemerke ich die Parallelen zur Situation meiner Coachees. Meine Intuition und mein Einfallsreichtum sind ein hervorragendes Team. Was du davon hast? Ein sehr individuelles und unkonventionelles Arbeiten mit mir.

Kritik an und Grenzen von Persönlichkeitstests

Worüber ich immer wieder stolpere, ist der Unterschied zwischen „Ich mag“ und „Ich tue“. Alle Persönlichkeitstests, so wissenschaftlich sie auch sein mögen, können ihn nicht erfassen. Ich mag zum Beispiel Gesellschaft und halte sie gleichzeitig nur bedingt aus. Ich liebe es, unter Menschen zu sein und brauche danach erst einmal Erholung.

Genauso ist es mit Ordnung. Ich habe eine feste Vorstellung von Ordnung. Meine Ordentlichkeit steht teils im totalen Widerspruch dazu. Wenn ich es mir recht überlege, sind es auch unterschiedliche Dinge. Ordnung ist bei mir rechtwinklig, parallel, lässt keine gebrochenen Winkel oder neckisch schräg gestellten Gegenstände zu. Möglichst nichts Ungeordnetes auf horizontalen Flächen. Bei einer Freundin lag ein Teppich in flachem Winkel zum Verlauf des Parketts. Der Tisch stand wieder in einem anderen Winkel dazu, und ähnlich verhielt es sich mit weiteren Möbelstücken im Raum. Für mich schwierig auszuhalten. Bei ihr ist sind aber die Oberflächen ordentlich, das sind sie bei mir häufig nicht.

So könnte ich weitere Beispiele entwickeln. Alle zeigen sie die Grenzen von Persönlichkeitstests. Alle Tests basieren auf meiner Selbsteinschätzung, der Ehrlichkeit, mit der ich die Fragen beantworte und davon, wie ich die Fragen verstehe. Sie sind abhängig von meiner Tagesform und sind im Kontext der Testergebnisse anderer Testpersonen zu sehen, die von denselben Faktoren beeinflusst sind wie meine. Diesen wissenschaftlich fundierten Big-Five-Test finde ich ziemlich gut und finde mich in den Ergebnissen, mit den beschriebenen Einschränkungen, gut wieder.

Zum Schluss

Es hat mir unerwartet große Freude bereitet, diesen Test zu machen, aus meiner Sicht zu bewerten und mich mit meinen einzelnen Persönlichkeitsfacetten auseinanderzusetzen. Meine Ergebnisse zeigen mir eine Frau, die neugierig, klug und offen ist. Lebenserfahren, gelassen, manchmal ein bisschen schusselig, dabei mitfühlend und vertrauenerweckend. Mutig, zugewandt und mit der richtigen Mischung aus analytischem Verstand und Intuition. Probiere es gern mal aus, ich freue mich auf dich.

3 Kommentare zu „Persönlichkeitstest – meine Big Five“

  1. Liebe Silke,
    als jüngere Frau hab ich diese Tests öfter mal gemacht. Und mich selten darin wieder erkannt.
    Du hast das Für und Wider und die Grenzen dieser Tests ja sehr gut aufgedröselt. Ich glaub, ich mag diese Tests auch nicht mehr machen. Mittlerweile hab ich mich mit meinen einigen Aspekten meiner Persönlichkeit versöhnt, ich hätte da Bedenken, dass ich durch so einen Test mein Gleichgewicht störe.
    Schön, dass Du mit Deinem Experiment zufrieden warst.
    Liebe Grüße
    Britta

  2. Liebe Silke,

    Du hast hier eine wundervoll persönliche und gleichzeitig sehr strukturierte Betrachtung geliefert.
    Danke dafür, denn wenn Offenheit eines der größten Talente ist, fällt diese Struktur oft schwer….denn wir wissen ja aus anderen Tests und selbst über uns noch soooo viel mehr und beschränken uns ungern auf eine „Schublade“. Schöne Fotos sind dann noch das Tüpfelchen auf dem i.

    Ich wünsche Dir ein sonniges Wochenende

    Antje

    1. Vielen Dank für deinen wohltuenden Kommentar, liebe Antje!

      So hatte ich das noch gar nicht gesehen. Offenheit vs. Struktur, wusste gar nicht, dass die im Widerspruch stehen können. Ergibt aber Sinn, wenn ich recht drüber nachdenke.
      Ich freue mich sehr über deine Worte.

      Herzliche Grüße und eine schöne neue Woche (nach einiger Antwortzeit)
      Silke

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