Frauen, die im Kreis stehen und im Zentrum ihre Hände zusammenlegen. Ein Schild mit der Aufschrift: Blogparade: Wozu sind Frauen über 50 überhaupt noch gut?

Blogparade: Für was sind Frauen über 50 überhaupt noch gut?

Wozu sind Frauen über 50 überhaupt noch gut, fragt Mia Brummer in ihrer Blogparade. Zu allem, sage ich! Auch in meiner eigenen Blogparade beschäftige ich mich mit der Frage, ob Frauen nach den Wechseljahren unsichtbar werden oder die Zeit ihres Lebens haben. In meinem weiblichen Umfeld sehe ich großartige Frauen, die auf die richtige Weise erwachsen sind. Sie sehen sich und ihr Leben mit einem gesunden Humor, sind flexibel, mutig, offen für Neues. Sie sind mit sich und ihrer Lebensmitte in Balance. Sie ruhen in sich, sind in ihrer Mitte. Und wenn sie noch nicht ganz dort angekommen sind, haben sie sich auf den Weg gemacht, ihre ganze Größe und Schönheit zu entfalten und in all ihren Facetten zu erblühen.

Mit 50+ endlich eine weise Frau

Die Erkenntnis über meine neue Rolle im Leben trifft mich in einem Familienkontext: 2019 kam meine amerikanische Cousine nach Deutschland, um möglichst viele Verwandte ihrer mütterlichen (deutschen) Linie kennenzulernen. Während einer privaten Stadtführung in Berlin, angeführt von einem Schwieger-Cousin, gravitieren die drei Töchter meines Cousins um mich herum. Sie befragen mich zur Mutter meiner Cousine. Diese meine wunderschöne Tante hatte sich sehr früh aus dem Leben verabschiedet.

Über Leben und Tod meiner Tante existieren verschiedene Mythen, die ich nicht aufklären kann. Aber ich kannte sie persönlich und durfte sie mehrfach erleben. Und darüber kann ich sprechen. Als sie starb, war ich 13 und meine Cousine neun Jahre alt. Je mehr die Nichten fragen, desto deutlicher wird mir, wie viel ich von der Familiengeschichte weiß und teilen kann. Die drei jungen Frauen hängen mir an den Lippen. Genau da wird mir langsam klar, dass ich nun eine derjenigen bin, die um das Alte wissen und es an die Folgegenerationen weitergeben. So bin ich aufgestiegen in den Olymp der Weisen Frauen, und diese Erkenntnis behagt mir sehr. Es fühlt sich richtig und stimmig an.

Nichts mehr zu melden mit 50+? Bitte was?

Früher fragte ich mich, ob ich unmerklich vor mich hin altere, bis ich plötzlich ganz abgeschrieben bin. Ob ich auf diese unerträgliche Weise erwachsen bin, bei der ich nichts mehr ändere, hinnehme, was passiert und mit dem Leben abgeschlossen habe. Oder ob ich Großmutter werden muss, um von jung über älter, alternd auf alt vorzurücken. In den Generationen vor mir schienen mir die Frauen als Tanten schon sehr alt und als Großmütter uralt zu sein. Die Idee, später keine Großmutter zu sein, kam mir als Kind und Jugendliche nicht. Auch als junge Frau ging ich noch von der ganz klassischen Familienplanung aus. Etwas anderes hatte ich nicht kennengelernt.

Irgendwann dämmerte mir, dass ich selbst nicht das klassische Muttermodell bin. Es gab nicht den Mann, den ich selbstverständlich heiraten und dessen Kinder ich gebären und großziehen würde. Mein Leben folgte keinem großen Plan, Ich tat einfach, was mir gerade richtig erschien. Arbeiten, Studieren, spät ein Kind bekommen und es allein großziehen. Schon durch die späte Mutterschaft fühle ich mich lange jung. Und das Konzept der über 50jährigen, die nichts mehr zu melden hat, steht gar nicht zur Diskussion.

Ein Bild der Autorin ist so verschwommen dargestellt, dass sie fast unsichtbar ist.

Unsichtbar mit 50? Nicht wirklich!

In dem Film Giulias Verschwinden wird die Hauptperson Giulia präzise an ihrem 50. Geburtstag unsichtbar. Meine Erfahrung um diese Zeit herum ist ähnlich. Rückblickend bin ich sicher, das hat nichts damit zu tun, wie ich real aussah, sondern wie ich mich fühlte, was ich ausstrahlte, wie ich mich hielt. Die Metamorphose war noch nicht abgeschlossen. Die Phase der noch relativ jungen Frau ließ ich nur widerstrebend los. Das DANACH schien bedrohlich, weil ich davon keine klare Vorstellung hatte. Ich war zutiefst verunsichert.

Mit 50, als Mutter einer Zehnjährigen mit ersten pubertären Anflügen, steckte ich in einer massiven Sinnkrise. Mein Leben, wie es vor meinem Kind war, wollte ich nicht zurückhaben. Wie es weitergehen sollte, wusste ich nicht. Meine Arbeit war, auch mit viel gutem Willen betrachtet, nicht sinnstiftend. Meine Beziehung lag in den letzten Zügen. Das Leben, das vor mir lag, schien mir anstrengend, grau, wenig aufregend. Der Weg zur Klarheit einer neuen Lebensetappe war weit. Ich begann loszugehen. Und ging, einen Schritt nach dem anderen, immer weiter.

Sex mit Sechzig? Aber ja!

In meiner Kindheit und Jugend war das meiste Körperliche schambehaftet und wurde nur von jungen Menschen mit möglichst makellosen Körpern vollzogen. Dachte ich. Mittlerweile weiß ich aus eigener Erfahrung und aus dem Austausch mit vielen Menschen jeden Alters, dass die körperlichen Berührungen nie aufhören müssen. Liebe, Zärtlichkeit und Sex kennen kein Alter. Jede Lebensphase stellt uns vor andere Herausforderungen. Zu Beginn unserer sexuellen Entwicklung sind wir voll von steigendem Drang, dabei aber verschämt und unsicher. Wenn wir das Glück haben, unterschiedliche Erfahrungen mit uns selbst und anderen Menschen zu sammeln, lernen wir, was wir mögen und was nicht. Wir lernen zu sagen, was uns gefällt, wir zeigen, was wir uns wünschen. Wenn wir auf uns achten und zulassen, dass wir nichts tun oder wollen müssen. Meine Lieblings-Sexologin Yvonne Schudel spricht in ihrem Manifest für die sexuell erfüllte Frau von allem außer dem Alter. Und warum sollten wir gerade dann mit dem Sex aufhören, wenn wir unsere Körper so gut kennen und wissen, was uns Lust bereitet? Ja eben.

Falten sind vergoldete Geschichte

Eine Freundin, die ich frage, wie sie meine Essenz benennen würde, bringt die japanische Technik Kintsugi ins Spiel. Dabei werden Brüche und Risse mit Spezialleim geklebt und mit Goldstaub veredelt. Sie sagt, auf meinem Weg sei so vieles passiert, das mich in tiefe Löcher geworfen hat, und ich sei jedes Mal größer und stärker daraus hervorgegangen. In meinem allerersten Blogbeitrag schrieb ich schon über mein inneres Bild eines gesunden Menschen. Das philosophische Magazin philomag nennt Kintsugi „den schönen Verschleiß“. Die Bruchstellen veredeln den Gegenstand. Dieses Bild gefällt mir sehr.

Deswegen spricht mich auch das Lied „Prettiest Eyes“ von The Beautiful South so an: Der Sänger schildert aus seiner Perspektive die Linien und Krähenfüße, die im Gesicht seiner Liebsten im Laufe der Jahre entstanden sind. Er zählt die Gelegenheiten auf, bei denen sie entstanden sind und besingt, wovon all die Spuren im Gesicht erzählen. Ich mag so gern den Refrain:

Now you’re older and I look at your face
Every wrinkle is so easy to place
And I only write them down just in case
That you die

The Beautiful South

Die Sisterhood der wunderbaren wilden Weiber

In manchen traditionellen Gesellschaften werden die Frauen nach der Menopause immer bedeutender, wie dieser Artikel beispielhaft aufzeigt: In Georgien gilt eine Frau nach der Menopause als rein, weil das Blut gewaschen ist. Auch in Kamerun und Neuseeland dürfen Frauen nach der Menopause Rituale vollziehen, die menstruierenden Frauen verboten sind.

Hier feiern wir die Sisterhood der selbstbewussten, in ihrer Mitte angekommenen, Frauen. Der Frauen, die sich nicht darum scheren, was für unsere Großmütter galt. Wir tragen keine Kittelschürzen mehr, sondern kurze Röcke, wenn wir das wollen. Wir haben lange Haare statt praktischer Kurzhaarschnitte. Wir schminken uns, so viel oder so wenig wir wollen. Wenn wir keinen Sinn mehr in unserer Arbeit sehen, orientieren wir uns neu. Wir verstecken uns nicht, wovor und vor wem auch?

Wir Frauen wissen um unseren Wert und teilen bereitwillig unsere Erfahrungen. Wir sagen Ja zum Miteinander und verabschieden uns vom ewigen Wetteifern. Wir sind einander Mentorinnen. Den Neid haben wir hinter uns gelassen, weil wir gelernt haben, von allem ist genug für alle da.


Und du? Willst du auch blühen und scheinen?

Stell dir vor, wie es sich anfühlt, die Fäden deines Lebens wieder komplett in der Hand zu halten. Zu wissen, wer du bist, wo du stehst und wo du hin willst. Du erkennst die Stimme deiner Intuition und hörst auf sie? Weil du weißt, du trägst alles, was dich nach vorn bringt, schon in dir? Klingt gut?
Dann buch dir ein kostenloses Gespräch und lass uns gemeinsam gucken, in welchem Tempo du auf welches Ziel loslaufen willst! Im Oktober habe ich wieder einige Coachingplätze zu vergeben:


Lust auf mehr Blogparade?

Dann lies dich hier durch über 30 tolle Blogparaden. Schreibe gern bei einer oder mehreren mit oder leite die Einladungen weiter an bloggende Freunde! Meine eigene Blogparade findest du hier:

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