Meine 3 Top-Filme für die Lebensmitte heißt der Titel des Beitrags, und hier ist eine Collage aus den drei Kinoplakaten für Giulias Verschwinden, Grüne Tomaten und Was das Herz begehrt.

Meine 3 Top-Filme für die Lebensmitte

Wechseljahre, Lebensmitte, heiße Zeiten – so viele Begriffe und Mythen, geschmacklose Witze und Ängste ranken sich um diese Zeit im Leben einer Frau. Bei Männern stellt es sich von außen einfach dar, da tut es eine jüngere Frau, ein größeres Auto und ein anderer Job (möglicherweise ist das eine eher humoristische und keine abschließende Darstellung).

Heute möchte ich dir drei wunderbare und ermutigende Filme über die Zeit des Wandels vorstellen. Alle drei widmen sich auf unterschiedliche Weise dem Thema Lebensmitte, Neuorientierung, Veränderung und Neubeginn. Hier ist meine Auswahl:

1. Giulias Verschwinden

Unter der Regie von Martin Schaub und nach einem Drehbuch von Martin Suter spielen Corinna Harfouch und Bruno Ganz die Hauptrollen in dem zauberhaften Film „Giulias Verschwinden“. Der Film beginnt mit einer Szene im Bus, bei der typische Probleme dreier Altersgruppen angerissen werden: zwei Teenies streiten sich um einen Jungen, eine alte Dame will ihren Achtzigsten nicht feiern. Giulia, die an ihrem 50. Geburtstag von ihren Freunden und ihrem Partner zur Geburtstagsfeier erwartet wird, ist plötzlich unsichtbar. Im Bus setzt sich eine Frau fast auf sie und versucht sie mit den Worten zu beruhigen: „Uns Ältere sieht man halt nicht mehr.“ Giulias Spiegelbild im Fenster verschwindet. Beim Gehen laufen Menschen direkt in sie hinein, und ihr wird immer seltsamer ums Herz.

Sie trifft John, der sehr interessiert an ihr ist und sie auf einen Drink einlädt. Die beiden philosophieren, diskutieren, flirten, fühlen sich wohl miteinander. Im Film werden auch die Geschichten der beiden Mädchen, der alten Frau aus dem Bus und der Tischrunde, die auf Giulia wartet, erzählt. Das ist für meinen Artikel nicht von Belang, mir kam es nur auf dieses Gefühl des Unsichtbarwerdens an, das ich auch selbst erlebt habe und noch manchmal erlebe. Plötzlich war ich anscheinend keine Frau mehr, die wahrgenommen wird, sondern nur noch Teil einer grauen Masse, die un-unterschieden und irgendwie belanglos den Planeten füllt. Diese Erkenntnis traf mich damals völlig unerwartet und sehr hart, deswegen fand ich es im Film sehr tröstlich, dass Giulia von dem fremden Geschäftsmann John als interessante Frau wahrgenommen wird und durch die belebenden Diskussionen auch selbst einen Stimmungsaufschwung erlebt.

2. Grüne Tomaten

Den Originaltitel „Fried Green Tomatoes in the Whistle Stop Café“ finde ich viel schöner als den deutschen Titel „Grüne Tomaten“. Die „mittelalterliche“ Hausfrau Evelyn (Kathy Bates) ist über alle Maßen frustriert von ihrem Leben im kleinen Südstaatenkaff. Ihr Ehemann ist ihr so gleichgültig wie sie ihm, und ihr Leben scheint nichts Aufregendes mehr für sie bereitzuhalten. Doch als sie eines Tages die Tante ihres Mannes im Krankenhaus besuchen muss, trifft sie auf Ninny (Jessica Tandy), eine etwas schrullige, sympathische und lebenskluge alte Dame. Ninny erzählt Evelyn, über mehrere Krankenhausbesuche verteilt, die wahre Geschichte von Idgie Threadgoode (Mary Stuart Masterson) und Ruth Jameson (Mary-Louise Parker). Idgie und Ruth lernten sich in den 30er Jahren über einen tragischen Vorfall kennen und lieben und betreiben nach einer gewalttätigen Ehe von Ruth, aus der ein Kind hervorgeht, gemeinsam ein Café, das Whistle Stop Café.

Die Erzählebenen wechseln zwischen Evelyns Leben, das sich durch die Impulse von Ninny Stück für Stück ändert, und der fortschreitenden Geschichte von Idgie und Ruth. Frauenfreundschaft, gegenseitiges Bestärken, Zueinanderhalten, die Wechseljahre, Rassismus, eheliche Gewalt, lesbische Liebe sind Themen des Films. Eine meiner Lieblingsszenen ist die, bei der Evelyn, mit erwachtem Selbstwertgefühl, auf einem Supermarktparkplatz herumkurvt und den einen Parkplatz findet. Doch während sie einparken will, huschen zwei junge Frauen mit ihrem VW Käfer in die Parklücke und verwöhnen die empörte Evelyn mit den Worten „Wir sind jünger und schneller!“. Evelyn rast vor jahrzehntelang unterdrücktem Zorn, haut den Gang rein und fährt krachend den Käfer mit zwölf Anläufen kaputt. Steigt aus mit den Worten „Und ich bin älter und besser versichert!“. Darüber, dass ihr Mann beim Ausfüllen der Versicherungsunterlagen darüber stolpert, dass sie 12 Mal in das andere Auto gefahren ist, setzt sie sich innerlich schmunzelnd hinweg.

3. Was das Herz begehrt

Harry Sanborn (Jack Nicholson), hält sich mit 63 immer noch für den größten Draufgänger und Herzensbrecher. Er ist überzeugter Junggeselle mit wechselnden jugendlichen Geliebten. Bei einem Wochenende im Haus seiner aktuellen Begleiterin Marin (Amanda Peet) taucht überraschend deren Mutter Erica (Diane Keaton) dort auf, die Harry im Alter wesentlich näher steht. Eigentlich sollte sie übers Wochenende nicht dort sein, und natürlich ist sie alles andere als begeistert davon, ihre junge Tochter mit einem so alten Mann zu erleben. Harry erleidet einen kleinen Herzinfarkt, Marin ist überfordert, Erica pflegt Harry.

Dabei kommen sich die beiden ungeplant näher und haben wunderbar scharfzüngige Dialoge. Bei der ersten körperlichen Annäherung ist mein Lieblingsdialog: „Wie verhütest du eigentlich?“ „Klimakterium!“ – ich liebe es! Nach den überraschenden Gefühlen folgt noch einiges an Verwirrung und Hin und Her. Was ich aber hervorheben wollte, ist die witzige, wache, reife Erica, die im Vergleich zu ihrer glatten, hübschen, aber vergleichsweise unerfahrenen, fast belanglosen Tochter, die absolute Sympathiegewinnerin ist.

Was alle drei Filme gemeinsam haben

In allen drei Filmen geht es ums Älterwerden der Frau. Um Entwicklungen, Möglichkeiten, Herausforderungen, Reifungsprozesse. In jedem der Filme kommen jüngere Frauen vor, die sich noch keine Gedanken über das Altern machen und sich in ihrer Jugend und Kraft unangreifbar fühlen.

Ebenso ist in jedem der Filme eine ältere, reflektierte und witzige weibliche Identifikationsfigur, die sich, anfangs eher unbemerkt, ins Zentrum der Handlung und ins Herz der Zuschauerinnen spielt.

Meine Botschaft für dich

Was ich dir mit diesem Artikel mitgeben möchte: Sicher sind wir in unserer Jugend fitter, beweglicher, glatter. Das spätere Leben hat ganz andere Qualitäten. Und wenn ich meine Freundinnen ansehe und auch Berühmtheiten, die mit mir gereift sind, freue ich mich an deren ausdrucksvollen Gesichtern voller Schönheit, Weisheit und Lebensfreude. So vieles, was uns als jungen Frauen für immer wichtig schien, ist heute ganz unerheblich.

Ich mag mein jetziges Alter. Es ist spannend, schon auf vieles zurückzuschauen und noch so vieles neu anfangen zu können. Ich bin sehr neugierig auf das, was kommt. Und wie geht es dir damit?

Dieser Artikel ist am 10. und leider schon letzten Tag der der Sommer-Blodekade 2022 entstanden. Vom 21.08.2022 bis 30.08.2022 schreiben viele Bloggerinnen in TheContentSociety innerhalb von zehn Tagen bis zu zehn Blogartikel. Für mich ist es die dritte Blogdekade, und ich liebe diese rauschhafte Schreiberei ohne Perfektionismusgedanken (na, fast ohne). Wenn du meine und andere Artikel dazu lesen willst, findest du sie unter #blogdekade auf Instagram und Facebook. Viel Spaß dabei!

4 Kommentare zu „Meine 3 Top-Filme für die Lebensmitte“

  1. Grüne Tomaten ist einer meiner Lieblingsfilme! Gut in die Reihe passt noch „Out of Rosenheim“ mit der wunderbaren Marianne Sägebrecht. Sehr, sehr witzige Dialoge! Eine sehr bürgerliche bayrische Ehefrau befreit sich auf einer Tour von ihren Fesseln der Konventionen und beginnt ein neues Leben, sehr sehr zaghaft und schüchtern, aber willensstark. Toller Film!

    1. Oh ja, der ist wundervoll, der Film! Danke, dass du mich daran erinnerst. Besonders mag ich, wie sie aufblickt und mit ihrem urbayerischen Akzent „Magic“ sagt. Wie so langsam die Lebens- und Liebesfähigkeit und -freude dieser Frau aufgerollt wird und was alles in ihr steckt – der ist bald mal wieder dran, glaube ich!

  2. Vielen Dank für die Filmtipps! Da ich keine Cineastin bin, kenne ich alle nicht, werde sie aber im Gedächtnis behalten. Der Herbst ist doch wie geschaffen für gemütliche Filmabende!

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