Die Geschichte meiner Selbstständigkeit – Teil 2

Ein Weg in der Geschichte meiner Selbstständigkeit
Auf dem Weg in die Selbstständigkeit

Die Geschichte meiner Selbstständigkeit geht weiter

Seitdem ich den Anfang der Geschichte meiner Selbstständigkeit veröffentlicht habe, werde ich gedrängt weiterzuschreiben. Dann tue ich das einfach:

Nach dem in Teil 1 beschriebenen Aha-Moment wirkte die Erkenntnis meiner Wirksamkeit unbemerkt vor sich hin, das passiert bei mir häufiger. „Ich vertraue auf die Einwirkzeit“ hat es sogar bis auf meine Über mich-Seite geschafft. Während es in mir arbeitete, tat ich zwischenzeitlich diverse andere Dinge. Meine Vita ist recht bunt und hat mir zu einem großen Schatz sehr unterschiedlicher Erfahrungen verholfen.

Ein Licht geht auf

Nach dem Erleuchtungsmoment

In der folgenden Zeit mit verschiedensten Assistenzaufgaben wurde mir immer klarer, dass ich nicht dazu gemacht bin, in der zweiten oder auch dritten Reihe zu sitzen und zwar dort an Ort und Stelle nötige, für mich aber nicht sinnstiftende Tätigkeiten auszuüben. Es gärte in mir, und ich wurde unzufriedener, obwohl ich über viele Jahre wirklich tolle Kollegen und einen Chef hatte, der mich zeitweise als seine Büro-Ehefrau bezeichnete, allerdings ohne die privaten Aspekte der Ehe („Wo bist du denn nächste Woche Dienstag?“ “ Weiß ich doch nicht – wo du mich hinschickst!“).

Das war für eine Zeit lustig, aber es war mal wieder Zeit für einen Arbeitsspaziergang mit meinem Coach Susanne. Wir waren kaum losgegangen, ich hatte ein paar Minuten lang lamentiert, immer noch im Glauben, ein Gespräch mit ihr würde mir meine vorhandene Arbeit wieder schön machen. Dann fragte sie, was ich denn ganz wirklich aus tiefster Überzeugung gern wollte. Die Antwort war klar:

Ich will Coach werden!

Sie war kein bisschen erstaunt und meinte nur trocken: „Dann werde doch Coach.“. Wir spazierten weiter, sprachen, und sie nannte mir ein paar Coachingschulen in und um Hamburg, erklärte mir Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten, und beim Abschied war mir klar, dass ich damit sofort loslegen würde. Ich telefonierte mit den Instituten, beantragte einen kleinen Bildungsgutschein, der mir die finanzielle Last ein wenig erleichterte, erzählte meiner Mutter davon, die mir eine weitere Erleichterung in Aussicht stellte – und meldete mich bei der coachingakademie an.

Im Frühjahr 2013 ging es los. Eine aufregende Zeit! Mit 28 Menschen (so ungefähr) aus den unterschiedlichsten Bereichen startete ich in die Ausbildung zum systemischen Coach, die sieben Module umfasste. Ein Journalist, eine Profimusikerin, IT-Mitarbeiter, Personalmitarbeiterinnen, Studentinnen, Verlagsangestellte – viele auch schon mit einer Arbeit, die es nahelegte, den Coach noch obendraufzulernen.

Ein paar Hindernisse

Der Feind im eigenen Körper

Schon zu Beginn meiner Ausbildung war klar, dass irgendwann eine Hüft-Operation fällig sein würde, ich hatte eine geburtsbedingte Fehlstellung mit stark erhöhtem Verschleiß. Auf der rechten Seite hatte ich das Tuning schon hinter mir. Rechts hatten sich die Schmerzen vorher über Jahre langsam und linear gesteigert. Ich nahm an, links würde es ähnlich sein und ich würde die Ausbildung locker schaffen. Mein Körper dachte anders, dieses Mal stiegen die Schmerzen exponentiell, und von einem auf den anderen Tag konnte ich nur noch mit Opioiden in hoher Dosierung leben und bettelte fast um eine zeitnahe Operation.

Die Operation bekam ich im Herbst, und es dauerte eine Weile, bis ich wieder sicher laufen konnte. In der Zwischenzeit hatte ich Module der Ausbildung verpasst, und meine Arbeitsgruppe hatte sich ohne mich weiterentwickelt. Ich dachte, für mich wäre es der Weltuntergang, war es aber nicht. So hatte ich die Möglichkeit, mich durch die Module zu hangeln und viel mehr tolle Menschen und andere Gruppendynamiken kennenzulernen.

Der Feind im SUV

Im Januar 2014, endlich wieder mit voller Herrschaft über meine Gliedmaßen, bewegte ich mich (auch endlich wieder!) angstfrei durch die Welt und hatte in der Coaching-Ausbildung ein gutes Gefühl.

Trotzdem war ich plötzlich zur falschen Zeit am falschen Ort. Ich hatte mit meiner Tochter beim Tag der Offenen Tür an ihrer Schule mitgemacht – sie bei einem Theaterstück, ich als Lieferantin von zu verkaufendem Essen. Wir waren fertig, gingen über die sehr kleine Straße. Sie war schon am Auto, das ich für einen Einkauf von der Arbeit geliehen hatte, ich war auf dem Weg, als ein schnell und unerwartet rückwärts fahrender SUV meinen Kopf erwischte und ich zu Boden ging.

Ich erlebte das ganze Prozedere: Sanitäter, den Kreis von Köpfen über mir, den ich vorher nur von subjektiven Kameras in Filmen kannte, Umstehende, Ärzte, Rettungswagen, Notaufnahme. Meine Tochter wurde vom Schulleiter mit in sein Büro genommen und mit Colaflaschen getröstet, bis ihr Vater kam und sie abholte, und ich lag irgendwann in einem Krankenhausbett mit diversen äußeren Verletzungen, Sprunggelenk und Nase waren gebrochen, ich will gar nicht ins Detail gehen. Auf jeden Fall war ich nicht nur körperlich niedergeschmettert, weil ich ja gerade wieder auf die Füße gekommen war.

Nach zehn Tagen Krankenhaus wurde ich entlassen, und meine Mutter zog für einige Monate bei uns ein, um mich zu versorgen und weil sie Angst um meinen Seelenzustand hatte. Dank des herrlichen Wetters im späten Winter und frühen Frühjahrs und der glorreichen Idee, einen Elektroscooter zu mieten, kamen wir sehr weit herum und genossen immer, wenn es möglich war, die Sonne. Ich lernte, wie ich auf dem Scooter in Busse fahren kann, wo Absenkungen an den Bordsteinkanten sind, dass Blankenese auch außerhalb des Treppenviertels viele Treppen hat, und dass das Gefährt nicht auf Steigungen über 12 Prozent eingerichtet ist.

Meine Genesung dauerte bis zum Sommer, weil ich nicht nur Gehen lernen musste, sondern auch, mich ohne Panikattacken wieder sicherzu fühlen, wenn ich eine Straße überquerte. Das alles lehrte mich sehr vieles, vor allem aufzustehen, immer und immer wieder, und innerlich bei mir zu bleiben.

Abschluss der Coachingausbildung
(und dieses Teils der Geschichte)

Irgendwann konnte ich an Gehstützen wieder in die Akademie gehen und holte Module kreuz und quer nach, in verschiedenen Jahrgängen. Zum Glück ist jedes Modul in sich abgeschlossen und baut nicht notwendigerweise auf anderen auf. Eine Coachee für mein Prüfungscoaching rekrutierte ich aus einem privaten Netzwerk. Letztendlich hatte ich etwas kürzere Zeiten zwischen den Einheiten, aber ich konnte die Coachingausbildung gar nicht so lange nach dem Abschluss meiner ursprünglichen Gruppe auch erfolgreich abschließen.

Coach-Zertifikat
Endlich zertifizierter Coach!

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