Die Autorin mit Mutter und Tochter, von unten fotografiert

So hilft dir Resilienz durch schwere Zeiten

Heute feiere ich meinen achten (Über-)Lebensgeburtstag!

Was ich daraus lernte, wie ich meine Resilienz trainierte und wobei ich auch dich unterstützen kann, will ich dir mit dieser persönlichen Geschichte erzählen:

Genau heute vor acht Jahren, am 25. Januar 2014, fand an der Schule meiner Tochter der Tag der Offenen Tür statt. Die Schule präsentierte sich facettenreich. Den Viertklässlern und ihren Familien sollte möglichst umfassend vermittelt werden, was sie von dieser weiterführenden Schule zu erwarten haben würden.

Meine Tochter und ich waren bester Dinge, ich trug meine Lieblingsklamotten. Wir steuerten zur Veranstaltung etwas bei: von mir kam ein Stullenteller für den Verkauf in der Kantine, Töchting spielte in einem kleinen Theaterstück mit. Nach einem abschließenden Rundgang machten wir uns auf den Weg, wir wollten einkaufen fahren. Meine Tochter hatte einen enormen Wachstumsschub gemacht, so dass ich sie plötzlich in ihre Hosen heben musste und ihre Füße sich in den Schuhen hochbogen.

Auf der anderen Seite der winzig kleinen schmalen Straße wartete der smart, den ich bei der Arbeit für den Einkauf organisiert hatte. Meine Tochter war schon drüben, ich checkte die Straße, nichts fuhr auf mich zu. Ich überquerte die Straße, und ein plötzlich sehr schnell rückwärts fahrender SUV erwischte mich am Kopf. Irgendwie wusste ich, dass der Fahrer mich trotzdem nicht bemerkt hatte, und ich schrie so laut ich konnte. Ich schrie um mein Leben und war tagelang danach noch heiser.

Ungewissheit und Chaos

Um die Geschichte abzukürzen: Ich fiel danach noch frontal mit dem Kopf auf die Straße, und weiter südlich an meinem Körper wurde ziemlicher Schaden angerichtet. Neben unzähligen Schürf- und Quetsch-Verletzungen waren Nasenbein, eine Rippe und das rechte Sprunggelenk gebrochen. Vor der Schule liegend, diesen Kreis von Gesichtern über mir wie bei der subjektiven Kamera in einigen Filmen, ahnte ich, dass es einen Moment dauern würde, bis ich in meinem Leben zurück sein würde. Das ewige Warten auf den Rettungswagen bei -10 Grad auf dem Asphalt. Die Angst, mein Kind und die anderen Kinder könnten Schaden nehmen durch meinen Anblick, denn ich fühlte viel Blut an meinem Kopf. Und neben den unbeschreiblichen Schmerzen im Fuß am schlimmsten: der Fahrer des SUV, der tränenumflort Entschuldigungen murmelte und von mir anscheinend Absolution wollte.

Aber was bis hier schon ein großer Halt war: bevor der Schulsanitäter anordnete, man dürfe mich wegen Lähmungsgefahr nicht bewegen, hatte mir ein Anwohner seine Daunenjacke untergeschoben. Eine Tierärztin sagte, so unterschiedlich sei die Anatomie in manchen Fällen nicht, und sie checkte meine Verfassung. Sie ließ sich später von einem Humanmediziner ablösen, der – wie sie auch – mit seinem Kind nur Besucher war. Dieser Arzt versicherte mir, bei mir zu bleiben, bis die Sanitäter da wären. Mit seiner tiefen Stimme redete er mit mir und hielt meine Hand.


All diesen Menschen, die sich so selbstlos um mich kümmerten, bin ich heute noch dankbar. Sie sorgten dafür, dass ich mich nicht alleingelassen fühlte.


In der Notaufnahme des Krankenhauses war das Schönste, woran ich mich erinnere, die warme, intravenös verabreichte Salzlösung sowie die gewärmten Decken. Die Decken wurden mir allerdings immer wieder abgenommen, weil ständig Teile von mir geschallt, durchleuchtet, gedrückt und auf Funktionalität geprüft wurden. Im Zimmer auf der Station, wo ich irgendwann landete, mussten Besucher ihre Mimik justieren, wenn sie mich sahen. Ich war erschreckend blutunterlaufen und verschwollen, und die wunderbare Krankenschwester vom ersten Tag riet mir ab, in den Spiegel zu gucken. Ich habe die Fotos durchgesehen und finde keins für einen öffentlichen Blogartikel zumutbar.

Es hilft, sich einen Überblick zu verschaffen

Nach und nach wusste ich, was alles an mir beschädigt war.


Alles war heilbar. Narben würden bleiben, später kamen zwei Schrauben hinzu, aber ich hatte keine inneren Verletzungen.


Blöd war, dass ich gerade wieder auf die Beine gekommen war, weil ich im Sommer vorher eine sehr dringende Hüftoperation hinter mich gebracht hatte. Ich bin ein Bewegungstier, und nun sollte ich schon wiiiieder in Ruhestellung versetzt werden! Das warf mich psychisch ziemlich um. Darüberhinaus ist ein Unfall auch so unerwartet, so böse. Es fühlt sich fast an wie ein persönlicher Angriff.

Während ich auf der Station lag, wurden nacheinander mehrere ältere Damen in meinem Zimmer platziert. Sie hatten sich bei Stürzen auf Blitzeis die Schultern gebrochen und wurden jeweils schnell wieder entlassen. Wenn du schon einmal von jetzt auf gleich aus deinem Leben gerissen wurdest, weißt du, wie viele Termine der Mensch so hat. Beide Zimmergenossinnen waren im Internet nicht sehr zuhause, hatten einige Telefonnummern nicht gespeichert. Ich half ihnen bei der Suche und teils sagte ich in ihrem Auftrag auch Termine ab. Für mich war das eine feine Sache.


Ich konnte etwas tun, ich war nützlich, ich war im Dialog. Ich lernte neue Menschen kennen und erfuhr von wirklich spannenden Lebensentwürfen.


Ich konnte mich nicht 24 Stunden am Tag mit meiner Lage auseinandersetzen.


Dadurch war ich positiv eingestellt, und mein Denken nahm eine andere Richtung. So erfuhr ich am eigenen Beispiel, wie hilfreich es ist, ein Problem reflektiert anzugehen und Coaching-Tools wie z.B. das Reframing einzusetzen. Das bewusste Um-Rahmen einer Situation, um sich ihr weniger ausgeliefert zu fühlen, ist so einfach und kann unendlich viel bewirken.


Und es besuchten mich so viele liebe Menschen, dass ich die Termine koordinieren musste. Wer kam, musste mir einen Cappuccino mitbringen. Eine Freundin half mir beim Duschen, die nächste beim Haarewaschen, das war fein. Aber auch die besten Freunde sind im Krankenhaus anstrengend (sorry, Leute, wisst ihr selbst 😘).


Akzeptieren, Lernen und Üben

Zeitgleich mit meiner Entlassung zog meine Mutter für längere Zeit bei uns ein. Das war für uns alle nicht immer einfach. Aber toll, dass es möglich war, denn ich konnte fast nichts allein tun. Mein Sprunggelenk war operiert, ich durfte kein Gewicht auf den Fuß legen. Gehstützen waren da, aber ich konnte wegen der gebrochenen Rippe mein Gewicht nicht gut aufstützen. Morgens rutschte ich auf dem Hintern sitzend die Treppe herunter und thronte für den Rest des Tages auf dem Sofa. Muttern kochte mir viele Lieblingsessen, manchmal kam Besuch, und abends krabbelte ich auf den Knien die Treppe wieder hoch.

Rettung kam mit einem geliehenen Elektroscooter und mit wochenlang andauerndem, besonders schönem Wetter. In meinem Narben-Artikel (der übrigens als erster Blogartikel meines Lebens genau heute vor neun Monaten – am 25. April 2021 – in die Welt ging) berichtete ich schon einmal darüber. Meine Mutter und ich waren unermüdlich im Hamburger Westen unterwegs, so weit der Akku reichte. An einem Tag rettete uns – über meinen sportlichen Einsatz grinsend – der Mann vom Sanitätshaus, weil der Rolli am Blankeneser Waseberg mit seinen 15 Prozent Steigung schlappgemacht hatte und nur er den Notschalter kannte.

Zum Glück habe ich einen gesunden Pragmatismus, der mir ermöglicht, Situationen einzuschätzen, Lösungen zu suchen und zu tun, was getan werden muss. Meine Ungeduld ob der monatelangen langsamen Genesung und meine Verzweiflung, mich nicht bewegen zu können, lasse ich mal außen vor. Auch die posttraumatische Belastungsstörung musste ich erst einmal erkennen und akzeptieren, bevor ich mir Hilfe suchte.

Ich wollte nicht mein Leben lang Unfall- und Todesszenarien im Kopf haben, wenn ich Straßen überquerte und nicht bei jedem Hup- oder Bremsgeräusch erstarren und mich fühlen, als würde ich schmelzen. Deshalb ging ich es an.

Eins nach dem anderen

Mein Körper heilte sehr langsam mit viel Zeit und viel Physiotherapie. Meine Seele erholte sich in vielen Stunden bei schönstem Sonnenschein. Meine unermüdliche Mutter war meist dabei, manchmal auch meine Tochter. Irgendwann konnte ich auch allein zu den Behandlern fahren, gern hatte ich dabei meine Tochter auf dem gesunden Bein, und wir waren dabei sehr verbunden.

Für die Angst vorm Überqueren von Straßen fand ich einen wunderbaren Psychotherapeuten, mit dem ich mithilfe der EMDR-Methode schrittweise von den Panikattacken wegkam, die sonst mein gesellschaftliches Leben immer stärker verhindert hätten.

Neben allem und lange danach hatte ich noch harte Kämpfe mit der Versicherung des Unfallfahrers, die mir ein Schmerzensgeld zahen wollte, das ich als Schlag ins Gesicht empfand. Es hätte nicht mal alle entstandenen Kosten gedeckt. Die vorhin erwähnten Lieblingsklamotten waren allesamt zerstört, und vor lauter Verletztheit vergaß ich bei einigen Leistungen sie mir von der Krankenkasse im Vorweg genehmigen zu lassen. Es kam eins zum anderen.
Ich wurde wieder und wieder zu Gutachtern geschickt und wollte schon vorschlagen, die Versicherung könnte mich mit der Summe entschädigen, die sie für die Gutachter ausgeben musste.

Erst nach der Krankenhausentlassung merkte ich, dass mein rechtes Auge nicht mehr fokussierte. Vorher dachte ich, es läge an der Schwellung. Aber nein: es war eine Luftblase unter dem Glaskörper, die die Augenärztin dem Unfall und der wiederholten Erschütterung des Sehnervs zuschrieb. Immerhin war der hintere Außenspiegel des Fahrzeugs an meinem Kopf zerbrochen, und danach bin ich aus meiner luftigen Höhe auf den Asphalt gefallen!

Wegen praxisinterner Streitigkeiten (die Ärztin hatte mich nicht an ihren privat und sehr teuer abrechnenden Kollegen, sondern an die Uniklinik verwiesen, wo ich im Leistungsrahmen meiner Krankenkasse behandelt wurde), konnte sie mir den Zusammenhang später nicht bescheinigen, so dass dieser Schaden nicht in die Gesamtbeurteilung der Versicherung einfloss. Das war ärgerlich, aber:
Ich habe dank der erfolgreichen Behandlung mit einem mittlerweile umstrittenen Medikament wieder zwei funktionierende Augen, und dafür bin ich – wie für so vieles in dem Zusammenhang – dankbar.

Die zweite Anwältin, die ich fand, machte ihrem Namen – Engel – alle Ehre und verhandelte ein Schmerzensgeld, das mich nicht reich machte, aber eine Höhe hatte, bei der ich sagen konnte, nun möchte ich die Angelegenheit abhaken, was ich tat.

Die Kombination macht’s

Was mir in der gesamten Zeit half, war meine innere positive Einstellung und der unverbrüchliche Glaube an meine Gesundheit. Hinzu kommt die Gabe zu sehen, was mir entgegengebracht wurde, und das zu würdigen, also zum Beispiel:

  • Ich habe überlebt, und nichts ist irreparabel kaputt.
  • Schon am Unfallort waren wunderbare Menschen um mich herum.
  • Der Schulleiter stopfte zum Trost mein Kind mit Colafläschchen voll.
  • Meine Tochter konnte bei ihrer besten Freundin in der Familie sein, bis ich aus dem Krankenhaus zurück kam. Das war das Heilsamste, was ihr passieren konnte.
  • Die Rettungssanitäter waren total aufmerksam und liebenswert.
  • Die Ärzt*innen in der Notaufnahme waren klasse.
  • Ich hatte nette Mitbewohner im Krankenhauszimmer.
  • Meine Freunde kamen mich besuchen und halfen mir bei der Körper- und Seelenpflege.
  • Das Stationspersonal war sehr freundlich (der Drachen des Ostens nicht, aber die wurde von mir abgezogen, weil sie so gemein war 😎).
  • Meine Mutter hat alles gegeben und ihr eigenes Leben monatelang auf Eis gelegt, bis ich wieder Fahrrad fahren konnte.
  • Meine Freunde signalisierten mir immer, dass sie da sind und waren es auch.
  • Menschen aus meinem Internetforum nahmen sehr starken Anteil.
  • Zuhause konnte mich meine Tochter endlich wieder ansehen, sie muss eine schlimme Zeit gehabt haben. Im Krankenhaus hat sie mich einmal besucht und an mir vorbeigeguckt – ich sah aber auch aus!
  • Alle Therapeuten und Ärzte der Nachbehandlung waren Glücksfunde.
  • Mein Arbeitgeber machte nicht die geringsten Probleme, im Gegenteil.

Das war noch nicht alles

Sehr kurz nach dem Unfall trat ich einem Chor bei. Singen macht glücklich und resilient, ich schrieb im Sommer darüber einen Artikel.


Ein Jahr nach dem Unfall lud ich alle, wirklich alle, die mich um den Unfall herum unterstützt hatten und zu denen ich eine Kontaktmöglichkeit fand, zum einjährigen (Über-)Lebensjubiläum ein. Das war mir wichtiger als mein Geburtstag. Meine Mutter war da, meine Tochter natürlich, und es kamen so viele. Ich bekam viele Schutzengel und ein Buch mit einem goldenen Stift dazu, um die schönen Dinge in meinem Leben aufzuschreiben. Diese Idee griff ich sofort auf und führe sie seitdem – meist recht konsequent – durch. Zwischenzeitlich ist die Abteilung Dankbarkeit nicht mehr in einem separaten Dankbarkeitsbüchlein, sondern in meinem Bullet Journal angesiedelt. Das tut der Dankbarkeit an sich zum Glück keinen Abbruch

Ein Dankbarkeitsbuch mit goldener Schrift
Das erste goldene Büchlein

Kannst du Resilienz lernen?

Resilienz ist zum Teil durch deine eigene Geschichte angelegt, aber zum Teil auch erlernbar. Die Geschichte kannst du nicht beeinflussen, aber deine Gedanken. Erwischst du dich auch gern mal bei Gedanken wie „Immer ich“ und „Och nööö, schon wiiieder“? Achte mal drauf. Deine Gedanken haben große Macht darüber, wie du dich fühlst.

Was ich selbst hier getan habe und dir ans Herz legen möchte, ist unter anderem Reframing: die Kunst des Um-Rahmens. In Situationen wie diesen liegt es oft nah zu fragen „Warum muss das immer mir passieren?“ oder ähnlich. Nimmst du jedoch eine aktive Position ein und siehst dir an, was du in dieser speziellen Situation konkret tun kannst, beginnt die Ausgangslage schon ihren Schrecken zu verlieren, weil du ins Handeln kommst, Verantwortung übernimmst, dich kümmerst.


Es muss nicht gleich ein Unfall sein. Das Gefühl des Ausgeliefertseins kann in vielen Lebenslagen auftreten. Hier bist du gefragt. Es ist deine Aufgabe, Verantwortung für DEIN Leben zu übernehmen. Gelegentlich mag das sehr schwer erscheinen. Hier kann ich dich unterstützen, die Orientierung wiederzufinden. Lass dich bei deinen Prozessen begleiten, in dein zuversichtliches und selbstbestimmtes Leben, in dem DU entscheidest, was Sache ist.


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4 Kommentare zu „So hilft dir Resilienz durch schwere Zeiten“

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