Ein Schild "Changes Ahead" und ein Warnschild zum Zeichen, dass Veränderungen gefährlich sind

Persönlichkeitsentwicklung macht einsam! – ein Lieblings-Mindfuck meiner Coaching-Kundinnen

Mindfuck, der: Ein Satz, mit dem wir uns selbst sabotieren und dadurch unmöglich machen, was uns eigentlich möglich wäre. Ein Beispiel für eine häufige Ambivalenz vorm Coaching:
Meine potenzielle Coachee sitzt vor mir und fragt: „Wenn ich nach dem Coaching ganz anders bin, passe ich dann noch in mein Leben?“ Ich antworte, dass sie immer in ihrer Essenz noch dieselbe ist, die ihrem eigentlichen Wesenskern näher kommt. Und dass sie vielleicht gar nicht mehr alles von ihrem augenblicklichen Leben will, wenn ihr auffällt, wie ihr erfülltes Leben aussehen kann. Auf jeden Fall wird es ihr Leben sein, wahrscheinlich mehr denn je.

Nach einem längeren Coaching mit intensiver Arbeit an sich selbst sind im Idealfall ihre Veränderungen nicht nur für sie, sondern auch für ihr Umfeld wahrnehmbar. Möglich, dass alle Verbindungen bleiben, aber es ist auch vorstellbar, dass die eine oder der andere aussteigt.

Warum das so ist – ein Erklärungsversuch, denn vielleicht kennst du diese Ängste ja auch:

Risiken und Nebenwirkungen der Persönlichkeitsentwicklung

Was immer Du tun kannst oder wovon Du träumst – fange es an. In der Kühnheit liegt Genie, Macht und Magie.

Johann Wolfgang von Goethe

1. Du lernst selbst deine dunklen Seiten kennen

Zu einer vollständigen und authentischen Persönlichkeit gehören alle Facetten deines Wesens. Licht kann ohne Dunkelheit nicht strahlen. Wir wollen so gern nur unsere liebenswerten Seiten pflegen, aber ehrlich ist das nicht. Weder uns selbst noch anderen gegenüber. Du hast die Chance, deine Schattenseiten als Stärken zu nutzen. Deine dunklen Seiten so zu integrieren, dass du selbst einen guten Umgang mit ihnen findest. Sie so zu reflektieren, dass du deine Auslöser besser kennst.

Was du nicht zeigen willst, ist nicht mal unbedingt negativ, aber du stehst nicht dazu. So wird dir immer etwas fehlen. Hier ist zum Beispiel Schattenarbeit ein Ansatz, mit dem du diese Persönlichkeitsanteile integrieren und zu schöpferischer nützlicher Energie machen kannst.

Der Anfang der Genesung ist Einsicht in die eigene Unzulänglichkeit. Du musst dir selbst auf die Schliche kommen, bevor du dich läutern kannst.

Seneca

2. Du wirst deine geliebte Komfortzone verlassen müssen

Das Gewohnte läuft so vor sich hin. Auch wenn es manchmal schmerzhaft langweilig ist. Aber die Komfortzone ist da, wo du nicht nachdenken musst, weil alles schon lange auf dieselbe Weise funktioniert. Alle Beteiligten wissen Bescheid, es besteht kein Erklärungsbedarf, Nachdenken ist nicht nötig. Für mein Coachingpaket „Vom Blues zur Salsa“ ist die Komfortzone die Inspiration für den Blues. Gemächlich, im gewohnten Trott, ohne große Schritte ins Ungewohnte. Sie zu verlassen macht Angst. Aber auch stark und selbstbewusst.

In der Komfortzone tummeln sich die Menschen, mit denen du in letzter Zeit zu tun hattest, und sie tun und lassen, was sie immer getan und gelassen haben. Genau wie du. Wenn du jetzt plötzlich andere Dinge tust und wieder andere Dinge lässt, kann das zu großen Irritationen führen.

Ausgestreckte hochgelegte Beine
Raus aus der Komfortzone

3. Du lernst deine Grenzen kennen und definierst sie neu

Vieles vom Bekannten hält sich so erfolgreich, weil du Menschen permanent gestattest, über deine Grenzen zu latschen. Sie dürfen dir zum Beispiel näher kommen als dir lieb ist, dich für Aufgaben einspannen, die du eigentlich nicht willst, und dir Zeit stehlen, die du ihnen freiwillig nicht geben würdest. Das ist für dich im ersten Moment einfacher, weil du nicht NEIN sagen musst, aber auf lange Sicht nervt es, wenn du dich immer wieder von den Wünschen anderer überfahren lässt. Sieh genau hin, was du willst, was davon du erträgst. Fühle in dich hinein, was sagt deine Intuition, ganz spontan? Traue ihr. Sie ist dein wichtigster Wegweiser im Gefühlsdschungel. In meinem Artikel über Intuition kannst du mehr dazu lesen.

Wenn du sagst, du möchtest die anderen mit deinen Grenzen nicht erschrecken, kennen sie dich vielleicht als …

  • beständig
  • verlässlich
  • leistungsfähig
  • ANPASSUNGSFÄHIG
  • die, die sich nie beschwert
  • eine, der man immer Extra-Aufgaben geben kann
  • belastbar bis zum Anschlag
  • die, die sich bei jedem „Jeder-bringt-was-mit“ richtig Mühe gibt
  • und alles allein schafft

Grenzen sind Liebesbeweise. Zunächst dir selbst gegenüber. Weil du mit deinen Grenzen immer mehr bestimmst, wer du bist, wo du stehst, was du willst. Und du kommunizierst es, das heilt deine eigenen Verletzungen. Mit jedem NEIN kommst du dir selbst näher und wirst immer glaubwürdiger und echter. Anderen gegenüber Grenzen setzen heißt auch Respekt vor den anderen. Sie sehen und erleben deine Klarheit, fühlen, woran sie mit dir sind. Sie müssen nicht an schwammigen Botschaften herumrätseln, das ist gut für beide Seiten.

Selbstverständlich darfst du auch in der Rolle des People Pleasers bleiben und die immer Nette sein, die jederzeit alles rausreißt und allen hilft. Aber du musst nicht! Nach meiner Erfahrung halten manche Menschen bestimmte Veränderungen nicht gut aus und ziehen sich zurück oder kündigen die Freundschaft.

Sich zu verändern ist ein bisschen wie umziehen. Stell dir mal umgekehrt vor, du bleibst immer im selben Ort wohnen, weil A und B dort auch sind. Plötzlich zieht B einfach weg, ohne dich zu fragen. Kurz danach fühlt A einen Ruf und verschwindet für immer. Nur du bleibst zurück mit deinen aufgegebenen Träumen. Beängstigend, oder?

Ein Avatar der Autorin mit Superheldencape
Du musst nicht alle anderen retten

4. Du wirst mehr Selbstverantwortung übernehmen

Fehler zuzugeben ist nicht angenehm. Nein zu sagen auch nicht. Und vor allem kennen das die meisten nicht von dir. Schwierig. Aber möglich. Und wenn du es tust, wirst du spüren: Das bist du, das ist dein wirkliches inneres Wesen.

Ich kenne diese Reise gut: Bevor ich Selbstverantwortung übernahm, fühlte ich mich häufig als Opfer und fand zuverlässig andere, die irgendwie verantwortlich zu sein schienen für Fehler, die ich gemacht hatte. Für Zeiten, die ich nicht eingehalten hatte. Für Situationen, in denen ich mich unangemessen verhalten hatte. Das Umdenken half mir sehr. Damit mogele ich mich nicht mehr durch, sondern bin ganz ich. Und ich kann dir sagen, es fühlt sich verdammt gut an!

5. Du wirst auf Ablehnung stoßen

Gut möglich, dass deine Nächsten und Liebsten irritiert sind, wenn du plötzlich ein neues Wort gelernt hast, nämlich:

Die Autorin sagt entspannt nein
Ganz entspannt Nein sagen ist eine hohe Kunst

Für die Kollegin ist es im ersten Moment bitter, wenn sie dir nicht mehr ihre Arbeit auf den Tisch legen kann, weil sie einen GANZ WICHTIGEN Anruf bekommt und sofort nach Hause muss (ungefähr jeden zweiten Tag). Wenn du deine Arbeit erledigst und zur selben Zeit nach Hause gehst, zu der sie auch Feierabend macht. Sie wird sich daran gewöhnen (müssen). Du wirst ihr vermutlich weiterhin gelegentlich helfen, aber du lässt dir nicht mehr aufdrücken, wozu andere zu bequem sind.

Der Partner wird irritiert sein, wenn du

  • seine Hemden nicht mehr bügelst (ja, ich weiß, klischeehaft, aber das gibt’s noch oft genug!), weil du genau wie er Vollzeit arbeitest
  • deinen Job wechseln oder dich gar selbstständig machen willst
  • mit Freundinnen ausgehst, obwohl er Zeit für dich hätte
  • einforderst, im Urlaub auch an deine Lieblingsziele zu berücksichtigen (oder auch mal allein zu fahren)
  • ihn bittest, seiner Mutter euren Wohnungsschlüssel wieder abzunehmen (der Urlaub, in dem sie die Pflanzen gegossen hat, ist vorbei, und ihre täglichen unangemeldeten Besuche stören dich)
  • vorschlägst, regelmäßig ehrliche und störungsfreie Zwiegespräche zu führen, um euch wirklich aufeinander zu beziehen (nach Michael Lukas Möller: „Die Wahrheit beginnt zu zweit“)

Wenn du dich auf den Weg zu dir selbst machst, wird das nicht allen gefallen. Die Kollegin, die du nicht weiter in ihrer Arbeitsvermeidung unterstützt, wird erstmal schlucken. Der Vorgesetzte, der dich bisher unwidersprochen für seine Fehler verantwortlich machte, wird dir vielleicht blödsinnige Arbeitsaufträge erteilen (alles schon erlebt!). Die Kundin deines Unternehmens, die du daran erinnerst, dass zwei und nicht fünf Korrekturschleifen vereinbart sind, könnte sauer sein oder gar abspringen. Alles ist möglich. Meist kriegen sich die anderen aber wieder ein, weil ihnen im Grunde klar war, dass sie dich ausgenutzt haben.

6. Du wirst Freunde verlieren, die dich nur so wollen, wie du immer warst

Das stimmt wahrscheinlich. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass du dich in dreißig, vierzig, fünfzig und mehr Jahren überhaupt nicht verändert hast. Oder dass du alle Freunde noch hast, mit denen du vor zwanzig Jahren auch schon befreundet warst. Und selbst wenn: Du bist diejenige, die sich als erste mit dir wohlfühlen soll. Dich hast du immer dabei. Es ist dein Geburtsrecht, die zu werden, die du sein möchtest und kannst. Manchmal hat sich so viel aufgestaut, dass die anstehende Veränderung riesig erscheint. Kann sein, und es wird nicht immer leicht sein! Willst du stattdessen in einem Kokon steckenbleiben, der dir zu eng geworden ist, statt dich weiterzuentwickeln? Du kommst auch mit kleinen Schritten deinem Ziel näher. Wenn du sie gehst.

Und damit meine ich nicht Weiterentwicklung um jeden Preis. Das schreibe ich, weil eine meiner Coachees kürzlich fragte, ob sie denn unbedingt etwas suchen müsste. Ob sie falsch sei, wenn sie nichts sucht? Eine Bekannte hatte versucht ihr einzureden, jeder müsse immer suchen. Mehr Erleuchtung, mehr Spiritualität, mehr Läuterung. Diese Auffassung teile ich nicht. Immer Suchen macht rastlos und unzufrieden.

Ich meine die Weiterentwicklung, die dich aus einem Zustand holt, der vor Jahren in Ordnung für dich war und es jetzt nicht mehr ist. Weil du fühlst, dass du so nicht vorankommst. Die Weiterentwicklung, die dich dahin bringt, dass du nicht mehr suchen willst, weil der neue Zustand so schön ist.

Ich bin diesen Weg gegangen, ich bin jenen Weg gegangen, dann bin ich meinen Weg gegangen.

Chinesische Weisheit

7. Du wirst an Selbstwert gewinnen

Auf deiner Reise wirst du stetig wachsen. Deine Grenzen zu spüren, zu wahren und zu kommunizieren, wird dich stärken. Zu erleben, dass du weiterkommst, dass du ganz andere Dimensionen erfährst und ganz andere Gefühle fühlst, wird dich verunsichern und gleichzeitig stärken. Es wird dich durchrütteln, wenn du dich auf intensives Überprüfen deiner bisherigen Gewohnheiten und Traditionen einlässt. Und es wird dich so stolz auf dich selbst sein lassen, wenn du zum ersten Mal Nein zu einer Anfrage gesagt hast, die du nicht willst. Und das ohne weitere Worte oder Rechtfertigungen. Wenn eine Freundin gekränkt ist, weil du dir nicht zum 150. Mal anhörst, dass ihr Mann, der sie vor drei Jahren verlassen hat, das Allerletzte ist und warum.

Du wirst spüren, was und wer dir nicht (mehr) gut tut. Du wirst wählerischer, mit wem du deine kostbare Zeit verbringst. Du selbst wirst dir möglicherweise häufig Gesellschaft genug sein. Weil du dich magst, wie du bist.

8. Fazit und Wachstumsschmerzen

Kinder haben Wachstumsschmerzen, wenn sie groß werden. So empfinde ich auch das Knarzen im Gebälk eingefahrener Kunden-, Kollegen-, Freundes-, Liebes- und Familienbeziehungen, wenn meine Kundin sich auf den Weg zu sich selbst macht. Vielfach ist das die größte Angst meiner Coachees. Sie fürchten, ihre bestehenden Gefüge zu sprengen, wenn die anderen nicht mitspielen. Die Angst, plötzlich allein dazustehen und verlassen zu werden, lähmt sie in ihrem Drang nach Authentizität.

Um eine Situation, ein Gefüge zu verändern, verändere dich selbst. Das wird Änderungen im Verhalten deiner Liebsten und Nächsten nach sich ziehen. Nicht immer nur positive, das ist wahr. Deine Veränderung kann eine ganz neue Dynamik in deine Partnerschaft bringen und deinen Partner inspirieren, auch an sich zu arbeiten, sich mehr in die Partnerschaft hineinzugeben, mit dir in eine andere Art des Kontakts zu gehen. Das ist möglich und die Wunschvorstellung der meisten Frauen, die zu Coaches kommen.

Die Möglichkeit, dass z.B. der Partner mit deiner Persönlichkeitsentwicklung nicht mithalten will oder kann, ist jedoch auch real. Ich kann sie ich nicht einfach weg ignorieren. Es sind nicht wenige Beziehungen auf der Strecke geblieben, während eine Hälfte sich weiterentwickelte und die andere nicht. Ich schreibe bewusst „während“ und nicht „wegen“ der Weiterentwicklung.

Ich will auf keinen Fall dazu aufrufen, dich unreflektiert von Freundschaften, Beziehungen, Kunden und Jobs zu trennen. Aber willst du weiterhin vor dich hindümpeln, weil dein Liebster oder deine Freundin irgendwo vor zwanzig Jahren stehengeblieben ist? Bei jedem Familienbesuch Magenschmerzen haben, weil deine Mutter nicht erträgt, dass du ihre gut gemeinten, aber übergriffigen Haushaltstipps nicht mehr erträgst? Dich in deinem Chor gegen dein inneres Bedürfnis weiter in Tratschereien verwickeln lassen? Dir von deinem Kunden sexistische Witze anhören, bei dem deine innere Feministin schreit?

Eben. Willst du nicht. Dann lass dich nicht aufhalten, trau dich, leg los! Ich begleite dich gern dabei.


Coaching vom Blues zur Salsa

Hat dir der Artikel Lust gemacht, mit mir zu arbeiten?

Dann lege ich dir mein Drei-Monats-Paket „Vom Blues zur Salsa“ ans Herz:

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