Wenn eine Blogparade und das, was dann passiert ist, besonders berührt, ja dann MUSS ich darüber schreiben! Gleich zu Beginn der Blogparade, als der Titel „Einen Scheiß muss ich“ feststand, kamen Rückmeldungen wie „Da fällt mir so viel ein“, „Keine Ahnung, ob ich es schaffe, aber ich will unbedingt dazu schreiben“, „Damit habe ich sowieso ein Thema, und es liegt gerade an“. Und dann kamen sie, die Beiträge. Innerhalb von Stunden trudelte der Beitrag von Marita ein, in den nächsten Tagen veröffentlichten Mascha und Claudia. Dann wurde es etwas ruhiger, und in den letzten Tagen bis zum 2. August war ich nur noch am Staunen und Kommentieren. Die große Vielfalt der Fokusthemen nimmt mich mit; auch mein eigener Artikel ist ein tiefes Eintauchen in Richtung Urgrund des Müssens; ich hätte noch lange weitermachen können.
Wenn du die Links zu den Artikeln vermisst, die findest du alle im offiziellen Zusammenfassungsartikel für die Blogparade.
Nachfolgend greife ich noch einmal auf, was mir besonders auffiel.
Die Wut, die zum Ja wird
Was mich besonders berührt: In vielen Artikeln ist Wut ein großes Thema und gleichzeitig die Initialzündung zum Schreiben. Wut ist ein wunderbares, wichtiges und heilsames Thema, und immer noch wird sie oft geleugnet, relativiert, bekämpft. Frauen sollen lieb, charmant, freundlich sein, aber doch bitte nicht wütend. Und dann kommt eine Einladung zum Schreiben daher, die nichts schönt, nicht zum Nettsein auffordert, sondern dazu, alles rauszulassen, was jetzt sofort oder nach und nach gehen darf. Dann kommt ein inneres Aufbäumen gegen diese vielen Müssens, die wir angeblich haben und plötzlich, mitten im Schreiben, entsteht aus der Wut ein großes JA. Ein „So mache ich das jetzt!“ Das ist genau die Bewegung, um die es mir mit „Einen Scheiß muss ich“ ging – und ich bin völlig begeistert, dass sie sich so deutlich in euren Texten zeigt.
Was da eigentlich zum Vorschein kommt
Hinter der Wut steckt oft mehr als nur ein spontaner Widerstand. Beim Schreiben werden Glaubenssätze sichtbar, die seit Jahren, Jahrzehnten, Generationen fest verankert und unbewusst in uns stecken – bei meinem eigenen Artikel ist mir das auch aufgefallen. Diese Sätze, die leise, selbstverständlich, nie hinterfragt unser Leben schwerer machen, als es sein müsste. „Du musst dich nur mehr anstrengen.“ „Und wenn du dich noch so sehr anstrengst, es wird nie genügen.“ Und so weiter. Viel äußeres und inneres Kleinmachen, Verunsichern und Weglächeln. Das macht mürbe und im besten Fall wütend. Warum ist das gut? Mit Wut kannst du besser arbeiten als mit Resignation; Wut hilft dir beim Lösen der inneren Knoten, die dir in die Eingeweide drücken. Sie ist kraftvoll und direkt. So wie der Ausruf „Einen Scheiß muss ich!“.
Und plötzlich, mit dem Eintauchen in mein Blogparaden-Thema, sind sie da, die kleinen Glücksdiebe: benannt, sichtbar, angreifbar. Das ist für mich das eigentlich Kostbare an dieser Parade – dass sie nicht nur zum Schreiben eingeladen hat, sondern zum Hinschauen. Und dass es in uns weiterarbeiten darf und Konstruktives hervorbringen kann.
Zwischen Belustigung und Widerstand
Manche von euch fanden die Idee auf Anhieb herrlich – dieser überdeutliche Titel, der nicht viele Worte braucht. Andere sind erst mal zusammengezuckt. „So etwas sage ich eigentlich nicht“, zu direkt, so rebellisch. Und genau dieser Widerstand hat mich fast am meisten gefreut, denn er zeigt ja, wie sehr das Thema einen Nerv trifft. Wer nichts zu sagen hat, zuckt nicht zusammen.
Und was dann entstanden ist, finde ich einfach nur großartig: Vom monothematischen Essay wie dem von Minschtl, die über ihren Entschluss schreibt, nicht jederzeit telefonisch erreichbar zu sein, über Christine, die in einem Moment mit ihrem kleinen Sohn den Startschuss zu einer intensiven Betrachtung des Muss setzt, Uli, die ihre extravagante Kunstfigur Dr. Tirza mit einengenden Schabbat-Regeln aufräumen lässt, zu tiefen Betrachtungen und träumerischen Auflösungen verirrter Glaubenssätze. Die ganze Artikelsammlung findest du hier im Zusammenfassungsartikel: Einen Scheiß muss ich – die Blogparade, die keiner musste und alle wollten.
Und dann – der Flow
Einige von euch schreiben in der Blogparade oder an mich persönlich von diesem Moment, in dem sich beim Schreiben plötzlich ein Sog einstellt. Man setzt sich hin, denkt „was schreibe ich jetzt bloß“, und auf einmal läuft es. Das ist für mich eines der schönsten Zeichen dafür, dass ein Thema wirklich dran ist. Nicht der Kopf schreibt, sondern etwas, das schon länger raus wollte.
Auf einmal ist eine wahre Glaubenssatz-Entrümpelung in Gange. Hast du einen hinterfragt, kommen weitere hoch. MUSS ich das wirklich? Im Grunde können wir die MÜSSENs, eins nach dem anderen, mit dem Mari Kondo-Blick ansehen. „Macht es mir Freude?“ Wobei ich nicht meine, dass das Müssen an sich Freude machen muss, sondern Folge einer bewussten Entscheidung oder Erlaubnis ist. Birgit Nora sagt, wenn du bestimmte Verhaltensmuster verändern WILLST, MUSST du die Voraussetzungen dafür schaffen. Mascha schreibt, sie kocht nicht gern und sie muss nicht kochen. Sie WILL aber gern mit ihrem Schatz essen, und dafür muss sie Lebensmittel besorgen und kochen. Claudia guckt, wo sie vom bedrückenden Müssen zum erleichternden Wollen, Dürfen, Tun übergehen kann; Birgit gibt sich einen Erlaubnisschein, statt zu müssen. Stefan stellt fest, dass im Ruhestand die äußeren MÜSSENs weggefallen sind und dass es wichtig ist, sich selbst eine Struktur aufzubauen.
Die Würdigung, die ankommt
Beim Schreiben des Zusammenfassungsartikels war mir wichtig, jede einzelne Stimme sichtbar zu machen – nicht nur ein anonymes „es gab viele tolle Beiträge“, sondern ein nachvollziehbarer Bezug zu jedem einzelnen Text. Die Freude, die dafür von euch zurückkommt, überrascht und beglückt mich. Insofern: Noch einmal vielen Dank, jetzt ganz allgemein, fürs Mitschreiben, fürs Eintauchen, für euren Mut, Dinge zu benennen und sanft, wütend, nachdenklich, fragend, witzig zu präsentieren. Und natürlich für die wunderbaren Rückmeldungen.
Und jetzt?
Wenn durchs Schreiben bei dir einiges, einzelnes, vieles? hochgekommen ist, wenn es nach der Blogparade in dir brodelt, wenn Fragen unbeantwortet sind und du jemanden brauchst, der dir den Raum hält, zuhört und im richtigen Moment die richtigen Fragen stellt: Hier bin ich; ich bin gern für dich da. Du bist nur einen Klick von deinen ersten fünfzehn Minuten Klärungsgespräch entfernt:
P.S.: Dieser Artikel ist an Tag 5 der Blogdekade in TheContentSociety erschienen und ist mein dritter Artikel in dieser Zeit.



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