Heute soll der sonnigste Tag der Woche werden. Wettermäßig sieht es so aus. Politisch finde ich es gerade ganz und gar nicht sonnig. Es macht mich persönlich traurig, dass und aus welchen Gründen Bärbel Bas, die ich sehr schätze, ihre Ämter niederlegt. In Zeiten einer schweren persönlichen Prüfung als Parteivorsitzende und Ministerin in einem der schwierigsten Ministerium noch angefeindet zu werden, selbst vom Koalitionspartner, das ist unterste Schublade. Ich denke von Herzen an Frau Bas und wünsche ihr viel Kraft und Zeit für ihre Trauer.
In meinem kleinen Kosmos geht es deutlich beschaulicher zu. Ich lade dich herzlich ein, dabeizusein.
1: Moin!
Ich wache auf und höre meine völlig erschöpfte Tochter und ein brüllendes Kleinkind. Selma hat seit Tagen Fieber und ist nicht ganz einfach im Handling. Sie isst und trinkt schlecht, schnarcht nachts und ist sehr unruhig. Tagsüber klammert sie, also typisch krank. Anne hatte anscheinend, bevor ich aufwachte, schon eine harte Zeit. Kurzerhand nehme ich Selma mit in die Küche, dort steht ein Rest Bircher Müesli im Kühlschrank, das ich mit heißem Wasser auf angenehme Temperatur und Konsistenz bringe, und koche dazu einen Babytee. Während das Wasser heiß wird, begrüßen wir zwei den Morgen, der sich golden vor der Haustür ausbreitet.

2: Auf nach Ottensen
Ich unterstütze die beiden mit allen Morgengeschäften, die so zu bearbeiten sind, und flitze, nach einem Abstecher unter die Dusche, nach Ottensen. Die S-Bahn-Station leuchtet an sonnigen Tagen wie heute besonders schön.

3: Gastlich
In Ottensen bin ich unterwegs zu meiner Orthopädin. Ich habe knapp kalkuliert und flitze an allem vorbei. Diese freundlich vorbereiteten Sitzplätze finde ich ganz allerliebst; da möchte man doch sofort Platz nehmen, oder?

4: Torrefaktum
Gleich neben dem indischen Restaurant mit den hübschen Sitzgelegenheiten ist das leider geschlossene Café von Torrefaktum. Ich las kürzlich, dass die Rösterei schließen musste. Finde ich sehr bedauerlich, der Kaffee war köstlich. Und ich gönne es diesen kleinen Röstereien von Herzen, dass sie es schaffen.

5: Wetterchen
Ottensen ist von schönen Altbauten und alten Bäumen geprägt. Bei diesem goldenen Herbstwetter leuchtet alles besonders schön.

6: Gutes für die Knie
Der Grund für meinen Ottensen-Trip sind meine Knie. Heute bekomme ich zum vierten Mal Hyaluron gespritzt; ich war die Schmerzen so leid und war bereit, alles auszuprobieren. Das viele Sitzen widersprach meinem natürlichen Bewegungsdrang und schlug mir aufs Gemüt. Seit dem dritten Spritzentermin bewege ich mich wirklich wieder leichter: Ich war schon flott mit Selma im Joggerbuggy unterwegs, zweimal bei Kieser – und ich habe endlich mein E-Bike eingeweiht, das ich seit Monaten besitze und vor dem ich eine unerklärliche Scheu entwickelt hatte. Ich bin zutiefst dankbar, dass ich so viel Verbesserung spüre; es hätte ja auch wirkungslos verpuffen können.

7: Glücksfund
Im Stillen hatte ich gehofft, so schnell dranzukommen, dass ich es noch zu Kieser schaffe, bevor ich um 13 Uhr zuhause wieder in einem Zoom-Meeting sein würde. Hat nicht geklappt; bei der Orthopädin war es rappelvoll. Als ich fertig bin, gehe ich direkt wieder zur Bahn, die gleich kommt. An der heimischen Station freue ich mich: da steht ein Karton mit Kinderbüchern für jüngere Kinder. Selma „liest“ so gern! Ich suche einige aus, die ich mitnehme.

8: Farbenspiel im Garten
Zuhause ist der Wein schon wieder röter geworden; ich kann mich an den Herbstfarben im Garten nicht sattsehen.

9: Garten II
Und weil es gerade so schön angeleuchtet wird, gleich noch ein Gartenbild.

10: Bezwingung des Mount Washmore
Anne kommt vom Kinderarzt zurück, während ich oben in meinem Meeting sitze. Weil wir beide heute wenig Energie fürs Kochen aufwenden können und weil Selma so anhänglich ist, bringt Anne halbfertiges Essen mit, das nur noch erhitzt werden muss. Danach geht sie mit Selma nochmal auf den Spielplatz, weil es zuhause mit dem unzufriedenen kleinen Menschlein nicht auszuhalten ist. Ich will eigentlich meine Altersvorsorge-Unterlagen sortieren, weil einige kleine Beträge nächsten und übernächsten Monat fällig werden und ich am Donnerstag einen Beratungstermin bei der Verbraucherzentrale habe – und scheitere am schönen Wetter und der vielen unsortierten Wäsche im Wintergarten. Ich stelle mich an den Gartentisch in die Sonne und fange an zu sortieren. Das war eine richtig gute Idee. Es ist fast alles schon wieder in den Schränken und duftet nach frischer Luft.

11: Nils Holgersson
Während meiner meditativen Wäschefaltungs-Aktivitäten höre ich wohlbekannte Herbstgeräusche und renne im Garten herum, um die Verursacher noch zu sehen. Ich freue mich, sie noch zu erwischen, bevor der Baum ihre schöne Formation verdeckt. Jetzt habe ich einen Ohrwurm vom Kinderfernsehen mit Anne vor vielen vielen Jahren.

12: Jungfernfahrt mit Kindersitz
Wir hatten vor ein paar Monaten einen fast unbenutzten Kinder-Fahrradsitz gekauft, mit Halterung. Als wir die Halterung an unseren Fahrrädern testen wollten, stellten wir fest, dass es dafür Einleger in unterschiedlichen Größen gibt. Wir hatten nur einen Einleger, der auf keins unserer Räder passt. Zum Glück haben wir in der Nachbarschaft eine Fahrradschrauberin, die alle ihre Lagermöglichkeiten prüft; sie hat auch nichts mehr da. Die Sitz-Serie ist vor Kurzem von einer neuen abgelöst worden, die ein anderes Halterungssystem hat. So gibt es auch beim Hersteller keine Ersatzhalterung mehr. Ich gebe ja nicht so schnell auf, schrieb den Hersteller an und ungefähr zwanzig Kleinanzeigenverkäufer. Die wussten auch oft nicht, dass sie drei Einleger für ihre Halterungen haben müssten. Letztendlich fand ich zwei passende Halterungen, und viele Verkäufer haben ihre Anzeigen ergänzt, weil wir nun alle mehr wissen. Fand ich witzig.
To make a long story short: Anne hat ihre Halterung gestern angebaut, und heute geht es los zur ersten Fahrt. Selma ist erst nicht so begeistert. Und dann ist sie nicht mehr zu halten; beim Zurückkommen strahlen die beiden um die Wette, und der Helm soll am liebsten auf dem Kopf bleiben.

13: Schummelbild – Liebe für alle
Gestern fotografiert, heute vergessen. Bitteschön, meine Liebesperlen!

Das war’s für den Oktober 2026. Bei der Orthopädin musste ich lange warten und war danach recht eilig, so dass ich phasenweise das Fotografieren vergessen oder die Bilder verwackelt habe. Und schon wieder wird es einer der ganz alltäglichen Rückblicke. Das ist auch die Grundidee des Formats 12von12. Ins Leben gerufen wurde es von Chad Darnell, der mittlerweile nicht mehr bloggt, sondern als Produzent und Regisseur tätig ist. Für die deutsche Blogosphäre sammelt Caro aus Hamburg freundlicherweise die eingehenden Artikel auf ihrem Blog Draußennurkännchen. Heiße Empfehlung: Lies dich mal durch einige Artikel. Ich bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich Menschen ein und denselben Tag erleben.
Mehr Oktober-12-von-12 von mir findest du hier:
2025: Ein besonderer Sonntag
2024: Der frühe Vogel undsoweiter
2023: Da ist er ja, der Herbst!
2022: Indian Summer in Hamburg
2021: Besuch aus der Schweiz


