Brief an mein jüngeres Ich vor 12 Jahren

Mein jüngeres Ich vor 12 Jahren auf der Terrasse meines neuen alten Hauses

Liebe Silke,

heute schreibe ich dir aus dem Jahr 2021 und werfe einen Blick auf 2009. Mal sehen, welche Entwicklungen du in den vergangenen 12 Jahren hingelegt hast.

2009 – da bist du gerade mit deiner Tochter Anne in dein erstes eigenes Haus eingezogen, und die gröbsten Renovierungen im Haus sind erledigt. Das grässliche Gelb – ich nenne es ‚Scheidungsocker‘ – an den Wänden, die Farbe der Vorbesitzer (bei solch einer Farbe wäre ich auch geflohen!) ist weg. Jeder Raum hat eine neue und überraschend bunte Farbe. Ursprünglich dachtest du, alles sollte weiß werden, aber dein Gefühl wollte etwas anderes, und das ist gut so.

Vielleicht brauchtest du einfach Farbe in deinem Leben, weil so viel Schwerwiegendes passiert ist kurz vor und um den Umzug herum. Dein Vater starb während der Vorbereitungen des Hauskaufs. Trauerfeier sowie Urnenbestattung fanden mitten im Umzug und kurz danach statt, 350 Kilometer entfernt, im heißesten Sommer. Dein narzisstischer Freund trennte sich (rückblickend zum Glück) von dir. All das führte dazu, dass du im letzten Jahr fast unbemerkt zwanzig Kilo abgenommen hast und extrem dünn bist. Du kannst optimistisch sein, die Kilos kommen wieder. (Ich kann dir verraten, du schaffst sogar ein bisschen mehr, aber das reguliert sich wieder).

Zu deinem Vater hattest du ein sehr schwieriges Verhältnis. Als er im Sterben lag, warst du jedes Wochenende da und saßest an seinem Bett. Du konntest ihm zeigen, dass du keinen Groll mehr hegst und keine offenen Rechnungen mit ihm hast. Du hattest das Bedürfnis, nach all den Jahrzehnten Körperkontakt aufzunehmen, und er mochte es. Ihr habt euch stundenlang an den Händen gehalten. Dadurch war die Zeit seines Sterbens für dich, nach der frühen Kinderzeit, die verbundenste Zeit deines Lebens mit ihm, und du konntest ihn gehen lassen. Als es dann geschah, war es natürlich trotzdem erst einmal schwer und traurig, aber du lebst jetzt mit dem guten Gefühl, den wichtigen Schritt zur Versöhnung gegangen UND damit nicht auf taube Ohren gestoßen zu sein.

2009 - Einschulung im neuen Viertel

Ich verrate dir, was dich erwartet

Kurz nach Annes Einschulung im neuen Viertel verlierst du deinen Job, den du über die Zeitarbeitsfirma hattest, an eine Festangestellte nach ihrer Elternzeit. Du bist nicht traurig, die Arbeit war langweilig und das Unternehmen weit entfernt. Du landest im Juni 2010 bei einem Energieversorger. Du bekommst einen witzigen neuen Vorgesetzten. Die Abteilung ist quirlig, hat coole Inhalte, nette Kollegen, und du darfst ab und an nach Berlin reisen, deiner zweiten Lieblingsstadt.

Aber auch hier arbeitest du als Assistentin, noch traust du dir nichts anderes zu. Es muss für dich als Alleinerziehende zeitlich flexibel sein. Und – Glaubenssatz-Alarm! – etwas anderes hast du nicht zu bieten. Du als hochintelligentes, hochsensibles, vielbegabtes Multitalent mit unterschiedlichsten Arbeitserfahrungen, abgeschlossener Ausbildung und BWL-Diplom bist nicht gut genug oder gar zu alt für die Jobs in der ersten Reihe. Glaubst du.


Erinnerst du dich an die Zeit um dein Abitur herum? Als du nicht wusstest, ob du als Kriminalpsychologin zur Kripo gehen willst, Sprachen studieren, Archäologin, Journalistin, Musikerin, Musical-Tänzerin oder Stewardess werden? Als du dich, von einer einzigen Tageszeitung abgelehnt, nicht als Journalistin, sondern auf Anraten deiner Familie um „etwas Vernünftiges“ beworben und bei einer Krankenkasse angefangen hast?


Die leise Unzufriedenheit, die du schon 20 Minuten nach Beginn deiner ersten Ausbildung hattest und die seitdem nur ganz am Anfang neuer Einsätze schweigt, wird immer lauter. Mit jeder neuen Aufgabe, kommt sie schneller, auch wenn im Energiekonzern fast ein Jahr verstreichen wird, bis du dir – ohne echte Einarbeitung – die Souveränität und das Netzwerk geschaffen hast, das du im Konzern brauchst.

Du arbeitest so hart, dass du ein paar Wochen nachdem du dort angefangen hast, in die Notaufnahme der Universitätsklinik gehst, weil du glaubst, einen Herzinfarkt zu haben. Zum Glück wird es nur Panik gewesen sein, weil du so viel arbeitest und niemand richtig helfen kann. Die Abteilung ist neu, alle Kollegen haben irrsinnig viel zu tun, und es gab dort vorher keine Assistenz, keine Strukturen. Das wirst du alles aufsetzen müssen. Du suchst und findest Unterstützung in anderen Abteilungen, bei erfahrenen Konzernassistentinnen.

Du musst bahnbrechende Dinge mit SAP bearbeiten, kennst aber davon nur die Buchstaben S, A und P. Deswegen wirst du die SAP Key User so lange bearbeiten, bis sie mit dir Crashkurse machen, damit du den Erfordernissen deiner Abteilung gerecht werden kannst.


Du darfst jetzt gern einmal innehalten und dir diese enormen Leistungen ansehen, die du vollbracht hast. Du hast dich vollkommen allein durchgefragt, bis du die richtigen Leute und die richtige Unterstützung bekamst!


Und privat so?

Du freundest dich mit anderen Müttern an, die du durch Anne kennenlernst. Bis auf eine sind sie nach der Grundschule alle wieder weg, aber du findest in der Nachbarschaft sehr nette Menschen. Du lässt dich im Februar 2012 von Anne überreden, ein Kätzchen aus dem Tierheim zu holen, und du bist sehr verliebt in Lotta, euer neues Haustier.

Seit die die Frau deines ältesten Freundes (in Freundschafts- und Lebensjahren) kurz nach deinem Vater gestorben ist, unternehmt ihr recht viel gemeinsam. du und der ‚Silberfreund‘ (so nennst du ihn, weil ihr euch schon seit über 25 Jahren kennt). Ein paar Jahre später stirbt auch er, aber ihr gönnt euch einen schönen und würdigen Abschied, und du wirst dich in die Organisation der Trauerfeier einbringen.

An das Eigenheim-Konzept gewöhnst du dich schwer. Du bist im Herzen Nomadin und hast gern die Möglichkeit, flexibel zu bleiben, was deinen Lebensmittelpunkt angeht. Deine Eltern machten dir jahrelang plausibel, wie wertvoll und sicher ein Haus ist, gerade mit Kind, so dass du es irgendwann auch glaubtest. Du lernst es zu schätzen, deinen eigenen Garten zu haben, naturverbunden wie du bist. Du gestaltest Beete, schneidest Gehölze und beobachtest Tiere im Teich. Und du kannst deine Clematis- und Hortensiensammlung, die du auf engsten Balkonen hieltest, ins Freie setzen und vergrößern.


Du brauchtest eine gedankliche Brücke, um dich festlegen zu können, damals in 2009. Es war dir nicht möglich, mit dem Gedanken „ich suche etwas für immer“ an die Immobiliensuche heranzugehen. Daher sahst du dir Häuser unter dem Aspekt an, dass du dich dort die nächsten zehn Jahre wohlfühlen könntest, und danach dürftest du vermieten oder verkaufen. Kaum gedacht, kam das passende Exposé!


Wann machst du denn endlich, was zu dir passt?

Auch wenn du bei der Arbeit mittlerweile eine „Frag‘ Silke“-Anlaufstelle bist, reicht es dir nicht. Du willst schon immer in erster Reihe mit Menschen arbeiten, und du wirst überlegen, wie du das erreichen kannst. Du sprichst mit deinem Coach Susanne, und dabei kommt heraus, Du willst und wirst Coach werden! Du beginnst deine Coaching-Ausbildung im Frühjahr 2013. Deine Arbeitszeit beim Energiekonzern ermöglicht dir den Besuch von Modulen unter der Woche.

Das erste Ausbildungshindernis

Was du nicht ahnen konntest: die Schmerzen in der linken Hüfte werden innerhalb kürzester Zeit unerträglich, so dass die absehbare, aber für Jahre später gedachte Operation vorgezogen wird. Als sich das herausstellt, hast du gerade einen Urlaub über Kopenhagen nach Schweden gebucht. Du und deine Tochter, ihr tretet den Urlaub trotzdem an, und mit reichlich Schmerzmitteln und guten Fortbewegungsmitteln wird es eine großartige Zeit!

Zwei Frauen in einer Achterbahn
Eins von vielen Schrei-Bildern aus diesem Urlaub, hier in der Rutschebanen im Tivoli, Kopenhagen

Ihr stellt fest, wie hilfreich Freizeitparks bei Bewegungseinschränkungen sind. In Kopenhagen im Tivoli, in Stockholm in Gröna Lund und am Ende in Göteborg im Vergnügungspark Liseberg setzt ihr euch einfach in Achterbahnen, Kettenkarussells, Wasserbahnen. Ihr nehmt an Stadtrundfahrten per Schiff teil und macht in gemächlichem Tempo schöne Fotos. Und wenn ein Fußweg zu anstrengend wird, steigt ihr in eine Straßenbahn oder mietet auch mal eine Rikscha. Bei den Freunden, die euch in der Nähe von Stockholm beherbergen, gehen genau in der Zeit die Kinder zur Schwimmschule am Mälaren, diesem traumhaft schönen See – Schwimmen ist absolut ideal für Hüfterkrankte, und ihr könnt euch buchstäblich treiben lassen.


Gerade durch das Schmerz- und Fortbewegungs-Management und die vielen Ausweichtätigkeiten wird euch dieser Urlaub für immer als eine sehr besondere Zeit in Erinnerung bleiben. Du kannst so stolz auf dich sein, wie du auch die schwierigsten Situationen meisterst!


Direkt nach dem Urlaub wird Anne auf dem Gymnasium eingeschult, und einen Tag später trittst du zur Operation an. Annes Vater wohnt in der Zeit deiner Abwesenheit in eurem Haus, weil das die einfachste Lösung für euer Kind ist.

Weiter geht’s mit der Ausbildung!

Nachdem du wieder zuhause bist, musst du erst einmal wieder auf die Beine kommen. Die erste Hüft-Operation 2008, am anderen Bein, heilte schnell. Dieses Mal dauert es lange, bis du wieder halbwegs gehen kannst. Dennoch kannst du, mit Gehstützen, an den Präsenzmodulen teilnehmen. Du bist beseelt von dem Wunsch, endlich als Coach loszulegen. Zwischenzeitlich ist deine Peer Group in eine Richtung gegangen, die für dich nicht passt, und eine andere bestehende Peer Group nimmt dich trotz Sympathie nicht auf. Man habe sich dort schon gefunden mit all den dazugehörigen Dynamiken, auch verständlich.

Die verpassten Module holst du eng getaktet in anderen Gruppen nach. Wann immer ein Platz frei ist, springst du hinein. Und du holst auf. Auch wenn dir jeder Start in einer anderen Gruppe Angst macht, ist es richtig gut. Du lernst andere, tolle Menschen, Dynamiken, Herangehensweisen und Lebensentwürfe kennen. Du erfährst, dass du auch ohne Peer Group maximal von der Ausbildung profitieren kannst, und das tust du auch.


Ein kleiner Einwurf aus 2021: Merkst du eigentlich, wie mutig und stark du bist?


Noch ein Stein im Weg – aus der Bahn geworfen!

Gerade erarbeitest du dir in der Coaching-Ausbildung wieder einen Stand, da fährt dich im Januar 2014 ein SUV über den Haufen, und du wirst sehr verletzt in ein Krankenhaus gebracht. In der Akte des Staatsanwalts wirst du als „leicht verletzte Fußgängerin“ geführt. Dem Urteil kann sich niemand anschließen, der dich gesehen hat, auch nicht die Ärzte, die dich am Unfallort betreuen, bis der Rettungswagen endlich da ist.

Der Unfall stürzt dich in eine schwere depressive Phase. Nach der Hüft-OP konntest du gerade wieder halbwegs laufen. Der Unfall, mit Sprunggelenksbruch und vielen anderen Blessuren, zieht dir den Boden unter den Füßen weg. Mithilfe deiner Mutter, deiner Tochter, der Ärzte und Physiotherapeuten, dazu viel Zeit in der Natur, die du dir mit einem Elektroscooter erschließt, wird dein Lebenswille sehr langsam gestärkt. In der Bewegungslosigkeit stärkt sich auch deine Mitte, denn Muttern kocht am laufenden Band Leibgerichte, um dir deine frustrierende Situation ein bisschen schmackhafter zu machen.

Du wirst noch immer panisch, wenn du eine Straße überqueren musst, deswegen suchst du dir einen Traumatherapeuten. Er bearbeitet mir dir deine posttraumatische Belastungsstörung, und du fasst wieder Mut für die Coaching-Ausbildung.


Direkt danach schließt du dich einem und bald noch einem zweiten Chor an, um wieder glücklicher zu werden. Hättest du das gedacht? Den Plan hattest du nie, auch wenn du schon immer singst und Musik machst. Du hast echt Ahnung, wie du dich phönixmäßig aus der Asche ziehst! Ähnliches sagt auch dein Hausarzt, der tief beeindruckt ist von deiner Fähigkeit, immer wieder aus den schwarzen Löchern herauszukommen.


Yeah, und Abschluss! Du bist zertifizierter Coach!

Dein Wille, die Ausbildung fertig zu bekommen, wird so stark sein, dass du dir ermöglichst, den Abschluss kurz nach deiner ursprünglichen Gruppe auch zu schaffen, mit einer großartigen Beurteilung der Senior Coaches!

Der Körper bremst – Loslaufen verzögert

Du lernst langsam wieder ohne den E-Scooter voranzukommen, am besten geht das mit dem Fahrrad. Gegen Ende 2014 kannst du auch die Gehstützen weglassen. Jetzt meldet sich aber die 2013 operierte Hüfte wieder. In vielen Untersuchungen in Hamburg und in der Klinik in Neustadt stellt sich heraus, dass bei der Operation ein Keim in die Wunde gelangt ist, und die innere, sehr langsam fortschreitende Entzündung führt zu einer Prothesenlockerung.

Du wirst im Sommer 2015 erneut operiert.

Der zweite Eingriff ist viel größer als der erste, deswegen wird es noch länger dauern mit der Heilung. Deinen Traum, wieder mit dem Joggen zu beginnen, wirst du aufgeben und stattdessen Walkingstöcke kaufen, weil du ohne Bewegung nicht sein magst. Im Herbst 2015 wirst du wieder arbeiten, immer noch bei der Zeitarbeit. Du wirst bis September 2017 beim Energiekonzern sein.

Noch ein Assistenzjob – echt jetzt?

Deine vertraute Disponentin bei der Zeitarbeit wird eine höhere Position annehmen, und die neuen Disponenten werden dich ohne Rücksicht auf das, was du kannst und vorweist, herumschubsen und zu unwürdigen Vorstellungsgesprächen schicken, bis du nach zwei sehr kurzen Einsätzen im Herbst 2019 von einem Unternehmen „gekauft“ wirst. Du arbeitest im direkten Anstellungsverhältnis als – wie soll es anders sein – Assistentin. Du beobachtest hohe Positionen, die von Menschen besetzt sind, die weniger gelernt haben als du und die deutlich geringer ausgeprägte Soft Skills zeigen.


Aber die haben sich das zugetraut. Merkst du was?


Währenddessen wird der Stresspegel steigen, die Arbeit vermehrt sich exponentiell, es kommt zum Crash mit dem Auftraggeber, und du bist raus, genau wie alle anderen auch. Genau da meldet sich über ein berufliches Netzwerk eine Frau, die ein Coaching von dir möchte, und ihr werdet eine Weile miteinander arbeiten. Das wertest du zu Recht als Zeichen.

Die Pandemie als Chance

Mittlerweile hat das neuartige Corona-Virus SARS-Cov 2 die Welt in völlige Unklarheit gestürzt. Menschen stecken sich rasend schnell an, müssen sich auf Abstand begeben. Ein Lockdown folgt dem nächsten, auch deine Kündigung Mitte 2020 bekommst du bereits im Home Office, deswegen fühlt es sich besonders seltsam an. Weiter zuhause sein, aber eben ohne Arbeit. Du überlegst, keine Bewerbungen mehr auf Assistentinnenjobs zu schreiben, sondern deine Nebentätigkeit als Life Coach endlich zur Haupttätigkeit zu machen. Mit deiner Coachee hast du sowieso schon am Telefon gearbeitet, da wird Online kein Problem darstellen.


Endlich, kann ich da nur sagen! Endlich folgst du deiner Intuition! Vielleicht lässt du dich nächstes Mal von Juliane unterstützen, dann geht das schneller!


Du wirst Gruppencoachings mitmachen, Bootcamps, Webinare, du wirst dich vernetzen. Du wirst an deiner Website arbeiten, die dich als Coach ausweist und über die du deine Leistungen verkaufen wirst. Du wirst anerkannt sein, einfach nur dafür, dass du bist, wie du bist. Klug, schlagfertig, erfahren, mit deutlichem Hang zum Tiefgang und seltsamem Humor.


Du musst dich gar nicht verstellen.

Du merkst, es ist trotzdem nicht ganz einfach, sich vom Angestelltengefühl in den Selbstständigenstatus zu denken.


The license for excellence

Du kennst das Gefühl schon lange: wenn du einigermaßen gut bist und durchkommst, ist alles ok, aber wenn du richtig toll wirst, kommt dein Mindset nicht damit klar. Ich vermute, deswegen versteckst du dich schon immer in Sachbearbeiter- und Assistenztätigkeiten. Erinnerst du dich, als du dem Jungen in der Schulzeit Englisch-Nachhilfe gabst und der dann mit seinen Leistungen durch die Decke ging? So, dass seine Eltern dich fragten, ob du auch Französisch kannst und seiner älteren Schwester auch Nachhilfe gibst? (Was du tatest, mit dem gleichen Erfolg). Und wie verlegen warst du, als beide so tolle Noten schrieben und dich deren Fachlehrer auf dem Gang ansprachen.

Oder als du während deiner Arbeit in der Projektgruppe bei der Krankenkasse eine Präsentation gabst, und deine Kollegen sagten, du hättest das so locker und entspannt abgeliefert wie Klaus? Klaus, der für dich die Ikone der lockeren Entspanntheit bei Präsentationen war? Das konnte doch nicht sein, dass du in eine Liga mit ihm gesteckt wirst?

Ich kann dir sagen, das wirst du in ähnlicher Form wieder erleben. Du wirst in der Coaching-Ausbildung richtig gut sein. Du wirst ein Life Coaching vor Publikum mit einem schwierigen Typen machen, den du nicht leicht zu fassen kriegst. In dem Moment, in dem es *klick* macht und du Zugang zu ihm hast, biegst du leicht von der Gewinnerspur ab, weil es dich fertig macht, öffentlich so gut zu sein.


Deshalb ist es wichtig, dir selbst die Erlaubnis zu Erfolg, Reichtum und Exzellenz zu geben.


Komm, du packst das!

Du wirst immer wieder zurückgeworfen in deinem Glauben an dich selbst und auf deinem Weg in die vergleichsweise unsichere Zukunft. Andererseits sieh dir mal deine Historie genauer an: du bist nie gern Angestellte gewesen, du warst nur darauf konditioniert. Sicherheit, festes Monatsgehalt, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld. Von außen festgelegte Strukturen. Da ist es fast ein Glück, dass du gelernt hast, wie unsicher Beschäftigungsverhältnisse und Monatsgehälter sein können. Du sprichst mit deinem Berater von der Arbeitsagentur, denn du bekommst nach deiner Kündigung Arbeitslosengeld. Er unterstützt dich darin, deinen Weg in die Selbstständigkeit zu gehen.

In der ersten Starre der Pandemie erstarrt auch der Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen wissen nicht, wie sie weitermachen, wie sie ihre Belegschaft bezahlen sollen. Aufträge können nicht ausgeführt werden. Die Pandemie-Bestimmungen der Länder sind unterschiedlich, die Risikoeinstufungen auch, so dass immer wieder Grenzen nicht passierbar sind und Waren aus dem Ausland nicht beschafft werden können. Lass‘ dir verraten, es wird auch wieder besser, aber der Weg dorthin ist steinig. Es gibt Impfstoffe, die einigermaßen wirkungsstark sind, und auch Medikamente werden entwickelt.


Was ich dir aus heutiger Sicht rate: Höre gleich auf die ersten Signale. Frage dich an jedem Wendepunkt, wohin du möchtest. Und traue deiner Wahrnehmung. Du darfst dich irren, falsche Wege gehen, hinfallen, aufstehen. Aber höre nicht auf zu gehen. Und glaube an dich.


Ich sehe vieles, das du getan hast, um weg von einer Situation zu kommen, auch dein Studium. Sicher ist es nützlich, aber BWL war nie dein Ding. Gehe hin zu dem, was dich zieht.

Warte nicht mit der Coaching-Ausbildung; gehe sie an, sobald du kannst. Glaube an dich, bearbeite deine Glaubenssätze. Übe dich in Selbstfürsorge und hänge deine Zeit an die Dinge, die dich von innen heraus bewegen. Folge deiner Intuition. Du weißt seit den Achtzigern, dass du ungern die Aufträge von Vorgesetzten ausführst, insbesondere solche, deren Unsinn du erkennst, aber nicht deine Chefs. Traue deinem Gefühl, wenn du gut bist.


Du darfst gut sein, verstecke dich nicht damit.
Halte es aus, erfolgreich zu sein.
Erfolg steht dir gut. Eigenlob stimmt.
Du darfst stolz deine Leistungen verkaufen, du hast viel zu bieten.

2021 ist erst der Anfang – ich bin selbst gespannt, was ich dir in fünf Jahren erzählen werde von meiner Coachingpraxis, meinem Online-Business und den anderen Projekten, die ich entwickeln und aufbauen werde.


5 Kommentare

  1. Liebi Silke, ich bin auch gespannt, was du in 5 Jahren erzählst. Ohje, beim Lesen konnte ich kaum glauben, dass du schon wieder operiert werden musstest, du arme. Aber klar, das hat dich auch viel stärker gemacht. Hut ab vor deinem Lebenswillen, dass du trotz allen Widrigkeiten dran geblieben und nicht versauert bist. Wow! Ich freue mich für dich, dass du nun endlich Selbständig bist!
    Herzliche Grüessli Jeannine

  2. Liebe Silke
    Du hast mich gerade mit diesem Bloggeintrag sehr berührt. Und ich bedauere es gerade wieder einmal zutiefst, dass wir so weit weg voneinander wohnen, und dass wir so wenig voneinander mitbekommen. Es ist sogar so, dass ich einen winzigen Moment lang überlege Dich so ganz spontan einfach mal kurz für zwei drei Tage zu besuchen…. Aber Sid wir beide so flexibel und spontan dies möglich zu machen? Theoretisch hätte ich nächste Woche sogar Zeit…. Ich habe Ferien…. So von Dienstag bis Donnerstag oder so? ….Aber wahrscheinlich ist das utopisch….
    Was meinst Du?
    Gruß Barbara Wiesnekker

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