Heute ist wieder Zeit für mein Lieblingsformat 12 von 12. Der Tag steht im Zeichen des Wartens auf mein Enkelkind. Es ist ein wenig überfällig, und meine Tochter und ich warten. Planunghorizont und Aktionsradius für Einzelunternehmungen schrumpfen. Wenn ich zum Kieser-Training fahre, kommt sie mit und amüsiert sich im Auto, während ich arbeite. Eigentlich brauche ich gerade kaum Training, denn Anne ist so schwerfällig, dass ich ihr von Sofas, vom Boden, aus dem Auto hochhelfe und dabei meinen ganzen Körper trainiere. Es ist eine surreale Zeit.
1: Brain Dumping auf der Bettkante
Wir haben am Mittwoch so lange Annes Zimmer aufgeräumt, bis es in einem Zustand war, ein neues Menschlein zu beherbergen. Spät gegessen, noch die dritte Folge Ellis geguckt; man weiß ja nie, ob und wann man mal wieder fernsehen kann, wenn ein Baby hier Einzug hält. Dann war es in meinem Kopf so voll, dass ich mich nochmal hingesetzt habe, um mein Hirn leerzuschreiben. Dabei war es weit nach Mitternacht. Also schon 12-von-12-Zeit und ein anderes Setting für das obligatorische Spiegelselfie!

2: Rührei
Anne bereitet sich ein Rührei mit Rizinusöl zu. Alter Hebammentrick; soll Kinder herauslocken. Ich bevorzuge meins mit Frühlingszwiebeln. Also nicht mein Kind. Mein Rührei.

3: Verblendung
Die Morgensonne scheint uns für ein paar Minuten so heftig auf den Tisch, dass vor allem Anne mit geschlossenen Augen frühstücken muss. Das Fenster ist über der Küchenarbeitsplatte, und um das Plissee ganz nach oben zu ziehen, müsste jemand mindestens auf einen Tritthocker steigen. Oder den Zugmechanismus des Plissees anders zugänglich machen.

4: Erleuchtung
Wir albern mit dem Licht herum.

5: Frauen, die auf Stare starren
In der Birke hinter der Häuserzeile, die wir von unserem Garten aus sehen, versammeln sich die Stare. Jedes Jahr staunen wir wieder, wieviele Hunderte von ihnen auf dieser Birke hocken können. Heute sind sie noch lange nicht komplett. Außerdem sind da ein paar Elstern, die meinen, Vorrechte zu haben. Es ist lustig anzusehen, wie die Besetzung auf dem Baum wechselt und unter welchen Umständen.

6: Schattenspiele
Am Küchenfenster ist die Sonne jetzt um die Ecke und zaubert wunderschöne Bilder aufs Plissee.

Jeden Freitag bin ich für drei Stunden Gastgeberin beim CoBlogging in TheContentSociety, meiner Blogger-Community. Von 9 bis 12 Uhr fokussieren wir uns gemeinsam und schreiben Blogartikel, Newsletter, Angebote, was immer gerade ansteht. Eine Teilnehmerin sagt gerade wieder, es tut ihr gut, quasi „unter Überwachung“ zu arbeiten. Heute gibt es ein Bildschirmfoto, das vermutlich in einigen anderen 12 von 12-Artikeln auch zu finden ist.

8: Letzte Geburtsvorbereitungen
Anne ist heute fünf Tage überm errechneten Geburtstermin. Joachim (das ist der Arbeitstitel, nicht der geplante Name) lässt sich Zeit. Sie muss jetzt alle zwei Tage an den Wehenschreiber, hier bei der Gynäkologin. Sie hat Wehen, die nicht stark sind, und Schmerzen, die sie seit drei Tagen nahezu bewegungsunfähig machen. Ich habe schon Popeye-Arme, weil ich ihr überall hochhelfe. Zusätzlich zum Kieser-Training und zu den Wiesen-Walks macht das einen schönen Muskelkater, auch in der Bauchgegend.

9: Zweites Frühstück
Die Gynäkologin ist ein wenig besorgt, weil Anne so starke Kopfschmerzen hat, zusätzlich zu allem anderen, und schickt uns ins Krankenhaus, wo ein paar Laborwerte ermittelt werden sollen. Der Einfachheit halber essen wir noch etwas beim Bäcker um die Ecke.

10: Noch mehr Geteste und ein Lächeln
Wir fahren durch den krassen Freitagsnachmittags-Feierabend-und-noch-ein-Wochenende-an-der-See-Verkehr. Zäh ist gar kein Ausdruck. Anne kündigt uns von unterwegs im Krankenhaus an, und weil wir wissen, dass ihre jüngere Nichte mit ihrem kleinen Sohn gerade bei meiner Mutter ist, führen wir noch ein fröhliches Familientelefonat. So spannend, wie rasant sich der kleine Großneffe entwickelt! Im Krankenhaus wird sie sehr herzlich empfangen; es ist die Klinik, in der sie auch ihre Ausbildung macht.
Sie wird auch hier an den Wehenschreiber gehängt und gemessen. Während wir auf die Laborergebnisse warten, kommt ein Babynotfall herein; wir müssen in der Kantine Eis essen. Zurück im Wartebereich der Station, werden wir freundlich angelächelt. Am Krähen des Babys hören wir, dass der Notfall keiner mehr ist.

11: Himmelsgetöse und Dorffest
Das Krankenhaus liegt in meiner ersten Nachbarschaft in Hamburg, wir mögen es dort beide. Die Wolken sind spektakulär, mit dem Handy kann ich heute ihren Zauber nicht einfangen. Deswegen entscheide ich mich für die Wolken in Sülldorf. Wir wohnen ja wirklich sehr ländlich in der Großstadt. Auf der großen Wiese findet gerade das Feuerwehrfest statt. Neben Naturschutzgebiet und schönen alten Häusern sind ein paar Buden und ein Festzelt aufgebaut. Die Sonne geht gerade sehr spektakulär unter. Wir kaufen auf dem Heimweg Zuckerwatte und gebrannte Nüsse, bevor wir heimfahren und noch etwas Gescheites essen.

12: Großes Finale
Heute wechselt das Wetter zwischen Sonne und kleinen Schauern. Das sorgt für besonders schönes Abendlicht. Ich kann mich kaum entscheiden. Ich entscheide mich für dieses wunderschöne Ensemble voller Melancholie, Sommerende und Aufbruch in den Herbst.

Das war’s für den September. Viel viel mehr weitere Tages-Foto-Rückblicke findest du bei Caro auf ihrem Blog Draußennurkännchen. Lesen lohnt sich!
September-12von12 der letzten Jahre
2024: Ein Unterwegs-Tag mit vielen Stationen
2023: Ein wilder Tag mit Küchenbaustelle
2022: Ein herbstlicher Montag mit Chorprobe.
2021: Ein Sonntag mit Kleiderschrank-Inspektion für mein bevorstehendes Fotoshooting



Liebe Silke,
Freitag fünf Tage drüber, heute am Montag wären es schon acht – oder ist das Mini inzwischen da?
Ich wünsche Gesundheit, Glück und ein wunderbares Welt-Entdecken für Baby, Mama und Omama:-)
Herzliche Grüße
Gabi
Liebe Gabi, das Mini ist am Donnerstag gekommen, am 18. September.
Und wir entdecken die Welt, oh ja! Vielen Dank für deine guten Wünsche.
Liebe Grüße
Silke
Ich liebe einfach euren Humor und die Art wie du schreibst. Ich hoffe, die kleine Joachim lässt sich bald blicken 😘
Liebe Silke,
Ihr macht es ja echt spannend.
Ich versuch mal, mit Lessing zu trösten: Ein Vergnügen erwarten ist auch ein Vergnügen ( Minna von Barnhelm).
Ich denk an Euch und drück weiterhin die Daumen.
Liebe Grüße aus Berlin
Susanne
Liebe Susanne,
danke dir. Ja, es war spannend, und nun ist sie da. UND! sie beschert uns größtes Vergnügen.
Es ist so lustig, die ganzen kleinen Eigenheiten kennenzulernen.
Liebe Grüße aus Hamburg
Silke
Oh jaa, Licht-und Schattenspiele sind immer schön und groszes Himmelskino auch.
Dann hoffe ich mal, dasz das Warten bald ein glückliches Ende findet und bin gespannt auf den – offenbar noch geheim gehaltenen – Namen.
Alles Gute!
Mascha
Liebe Mascha,
oh ja, das hoffen wir auch, dass das Warten bald vorbei ist. Der Name ist, glaube ich, noch gar nicht ganz sicher. Vermutlich wird er das, wenn sie dem Baby ins Gesicht guckt.
Vielen lieben Dank,
Silke
Liebe Silke,
die Joachimine lässt sich aber wirklich Zeit. Das ist schon blöd, ich kann es Anne nachfühlen. Wenigstens ist es nicht so warm, das wäre noch unangenehmer. Ich drücke alle Daumen, dass Ihr jetzt bald Euren Nachwuchs in die Arme schließen könnt. Das mit dem Rizinusöl kenn ich auch, hat bei mir auch schon nicht geklappt.
Liebe Grüße
Britta
Liebe Britta,
ja, wirklich blöd. Heute tut sich auch wieder gar nichts. Beruhigend, dass es bei dir mit dem Rizinusöl auch nicht geklappt hat, sie fühlte sich schon total unfähig. Sage ich ihr gleich.
Liebe Grüße und danke für die gedrückten Daumen,
Silke