Ist dir alles zu viel? Nimm eine Auszeit (Reframing)!

Ein Blick über den Sandstrand der Elbe bei blauem Himmel

Ein sehr persönliches Reframing-Beispiel

Die Ausgangslage

Am Montagvormittag dachte ich, es schnürt mir alles zu. Termine ohne Ende, Vorarbeiten, Nacharbeiten, Zusammenarbeiten, parallel laufende Kurse, die ich versuche zeitgerecht abzuschließen. Familiäre Aufgaben, Haushalt, beginnende Planungen für einen Kurzurlaub. Zwei wegen Reaktionen auf eine Impfung verpasste Tage sind auch nachzuholen. Und das alles, obwohl ich anerkanntermaßen keine Multitaskerin bin, ich kann nicht mal im Gehen ein Eis essen. Meine Idee, mir im Wohnzimmer eine Arbeitsecke einzurichten, hat sich auch nicht bewährt, es ist zu unruhig. Da plane ich in sehr kurzer Zeit einen Umzug im Haus, aber mir graut vor dem Ausmessen der Räume. Also raus mit mir!

Wenn du feststeckst, verlasse die Situation!

Die Natur tut mir immer gut, da kann ich viel besser denken, und das Wetter ist hervorragend. Ich habe eine Freundin, mit der ich meisterlich und stundenlang das Walk’n’Talk praktiziere, am Ohr, und ohne Gepäck, nur mit etwas Notgeld, gehe ich los. Durch den Waldpark Marienhöhe Richtung Elbe, durch den Wald, wo besonders knorrige Bäume stehen. Ich sehe kleine, fast vom Hügel verschluckte Bänkchen, andere, die vor lauter Frühlingsgrün kaum noch als solche zu erkennen sind wie auf dem Titelbild meines Monatsrückblicks für Mai.

Der Wald ist perfekt für ein Reframing

Die Freundin am Ohr muss sich einiges anhören, weil ich immer wieder in Verzückungsschreie ausbreche. Dazwischen besprechen wir unsere Lebenssituationen, unsere Webseiten, unsere Ziele. In Bewegung und mit endlos weitem Blick finde ich das immer besonders ergiebig, deswegen biete ich dieses Format auch meinen Coachees an.

Es geht ein Stück am Elbhöhenweg entlang, das ist ein stetiges Auf und Ab. Ich genieße es sehr, heute bin ich fit. Die Luft ist frisch, es ist angenehm warm und etwas bedeckt. Mein Weg führt durch den Römischen Garten, der bei meinem letzten Besuch noch deutlich weniger Farbe hatte. Jetzt sprießt alles, und die runde Bank oben auf der Treppe leuchtet heute besonders weiß. Das Amphiteater sieht aus wie eine große Plüsch-Sitzlandschaft, so sehr wächst das grüne Grün. Ich kann mich kaum sattsehen, halte mich aber beim Fotografieren ein bisschen zurück, um nicht ständig stehenzubleiben.

Über die kleinen holperigen Serpentinenwege gehe ich weiter, komme am Falkensteiner Ufer herunter zur Elbe, gehe noch am Waldsaum bis zum Rissener Ufer, sitze eine Weile auf einer Bank, inmitten wunderschöner Pflanzen, und verabschiede mich langsam von der Freundin, die auf der anderen Seite der Leitung längst wieder zuhause ist. Ich verlasse den Schatten, um den Rückweg am und im Wasser anzutreten. Es ist vergleichsweise menschenleer, und die wenigen anderen Leute am Strand sind genauso friedlich wie ich.

Lächeln sammeln

Ich kann wieder Lächeln sammeln, das tue ich gern, wenn ich unterwegs bin. Ich strahle Entgegenkommende an oder grüße sie mit einem Nicken, einem „Moin“ oder „Hallo“, und die meisten grüßen zurück. Ich mag das Gefühl der Verbundenheit für einen kleinen Moment. Manchmal denke ich, es ist wie ein Staffellauf, bei dem ein Lächeln weitergegeben wird und sich vielleicht auf den Weg um die ganze Welt macht? Auf jeden Fall ist es in meine kleine, am Morgen noch so beengt erscheinende, Welt wieder eingezogen.

Jetzt bin ich mit nackten Füßen im Sand und im Wasser unterwegs, das erste Mal in diesem Jahr, und es ist herrlich! Ich gehe an einem Uferstück, das ich noch nicht kannte, und vor mir geht in einiger Entfernung ein Paar mit einem Hund. Sie gehen im Wasser um die Sträucher, was ich allein nicht versucht hätte, weil nicht zu erkennen ist, wie tief oder flach das Wasser dort ist. So aber kann ich unbesorgt der Herde folgen und weiter Richtung Blankenese gehen. Am Anleger Wittenbergen genieße ich den Blick in die Ferne, Richtung Meer. Es ist dort etwas windig, das mag ich so gern.

Aufgeladen komme ich wieder nach Hause

Jetzt bin ich auch wieder sortiert in Kopf und Herz, durch die Bewegung sind Muskeln und Synapsen gedehnt und zufrieden. Ich überlege, ob ich noch irgendwo einkehre, weil ich vier Stunden unterwegs war und kein Wasser dabei hatte. Ich bin aber so bedürfnislos und zufrieden und muss jetzt keine Pause machen. Nur noch einmal bergauf laufen muss nicht sein. Von der Kraft her wäre es kein Problem, aber ich will jetzt auch nach Hause und vorher eine Kleinigkeit fürs Abendessen kaufen. Mir ist nach Frühling auf dem Teller, es wird Tortilla Wraps geben mit sehr viel buntem frischem Gemüse.

Was hat das Ganze mit Reframing zu tun?

Das Reframing befasst sich ja mit dem Perspektivenwechsel von einer als negativ empfundenen in eine positive Situation. Am Morgen fühlte ich mich überlastet, strukturlos, hatte Angst, meine ToDos niemals zu schaffen und nicht die richtigen Dinge zu tun, und glücklicherweise erinnerte ich mich noch vor Eintritt der Verzweiflung daran, was mir in dem Moment am besten helfen kann.

Ich merke mir: was ich meinen Coachees empfehle, nämlich das Ressourcenglas, will ich auch für mich anlegen: ein Vorrats- oder sonstiges schönes Glas, in dem ich Zettel mit erfolgreichen Reframing-Strategien sammele. Manchmal ist es ja nicht möglich, für fünf Stunden einfach rauszugehen, da sind dann ein paar kleine Ideen hilfreich. Spontan laufe ich manchmal ein paar Treppen rauf und runter, um Spannung abzubauen, untersuche meine Pflanzen, höre laut Musik und singe noch lauter. Ein kraftvolles Mini-Workout kann gut tun. Bestimmt weißt du auch, was du in solchen Gedankenfallen tun kannst, um schnell wieder ans Licht zu kommen. Schreib’s dir gleich auf!

4 Kommentare

  1. Oh ja, das mache ich auch :)! Ein sehr schöner Artikel, liebe Silke! Ich liebe die Bilder Deines Ausflugs und finde den Bogen, den Du zum Reframing geschlagen hast, sehr gelungen. Mehr davon :)!

  2. Liebe Silke, das ist ein wunderbarer Artikel, der zeigt, wie sich ein Perspektivwechseln im Prozess manifestieren kann. Sehr wertvoll! Klasse, dass du hierfür ein eigenes Beispiel gewählt hast. Dein Artikel hat mir super gut gefallen. Liebe Grüße Nicole

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