Die Einladung zur Blogparade „Natur als Kraftquelle“ von Birgit Buchmayer habe ich erst spät gesehen. Dein Glück; über die Natur und mein Verhältnis zu ihr kann ich ewig viel reden und noch mehr Fotos zeigen. Die Dia-Abende mit den Freunden meiner Eltern sind nichts dagegen!
Ich bin ein ziemlicher Natur-Freak. Bin ich draußen, bin ich froh. Ich erzähle einfach mal ein bisschen.
Was Natur für mich bedeutet
Natur ist für mich Freude, Überraschung, Geborgenheit, Heilung und Beruhigung. Auch wenn ich es liebe, in der Stadt zu leben, dürfen natürliche Oasen nicht weit sein. Mein Wohnort am westlichen Rand Hamburgs ist da perfekt. Ich habe einen wilden Garten mit sehr naturbelassenen Pflanzen, und wenn ich rausgehe, steht mir schon da eine große Vielfalt zur Verfügung. Vögel, Eichhörnchen, Fische, Kröten, Frösche und Libellen am und im Teich, und immer wieder ein bis mehrere Igel. Hornissen raspeln Baustoff vom Weidenzaun, Ringeltauben mahnen weitere Erdnusslieferungen an, und das Eichhörnchen holt sich Walnüsse oder klaut den Vögeln die harten Sonnenblumenkerne. Wenn ich solche kleinen Einblicke in den Alltag der Tiere ums Haus beobachten kann, geht mir das Herz auf. ich liebe es, wenn die Amseln im Teich baden oder eine Elster ihre Flügel in der Sonne ausbreitet, um sich aufzuwärmen. Es macht mich fröhlich, wenn ich sehe, wie Meisen an dünnen Zweigen schaukeln oder aussehen, als hätten sie Spaß daran, in ihren Flug kleine Choreographien einzubauen.
Natur ist für mich auch eine Art von Spiritualität. Wenn ich allein unterwegs bin, fühle ich mich im Kontakt. Ich habe einen erklärten Lieblingsbaum am Elbhöhenweg, den ich immer mal wieder besuche. Als ich auf Amrum lebte, waren es die Dünen, vor allem in Norddorf, die es mir angetan hatten, und die Wattseite der Insel, wo Tausende von Vögeln rasten, nisten, singen, quäken, quasseln, jubeln und tirilieren. Bei dem letzten Haus, in dem ich mit meinen Eltern und meinem Bruder lebte, war am Anfang, auch als wir dort schon wohnten, viel Wildnis, die langsam gezähmt wurde. Als sie noch wild war, hatte ich mir dort eine sehr kleine Lichtung im Dickicht als persönlichen Rückzugsort zurechtgemacht. Und dann war sie weg, das fand ich sehr traurig. Durch meine Erinnerung glorifiziert, war sie wie eine sehr rauhe Version des geheimen Gartens von Frances Hodgson Burnett.
Silke und die Natur im Lauf der Zeit
Schon die kleine Silke war gern draußen. Frisch gemähte Wiesen runterrollen, im Schwarzwald-Bauernhof-Urlaub Pilze und Heidelbeeren sammeln und abends essen. Im Wald zu sein, auf federtndem Boden laufen, die saubere Luft mit ihrem Duft von Erde, Pflanzen, Verfall und Wachstum zu atmen – herrlich!
Als älteres Kind und Jugendliche war mein pubertärer Auftrag, alles blöd zu finden, vor allem diese ewigen Waldwanderungen mit der Familie am Wochenende. Laaaaangweilig, und noch langweiliger und schrecklicher fand ich die Urlaube in den gängigen deutschen Wäldern – Schwarzwald, bayerischer Wald, Odenwald, hör’ mir auf! Wo ich noch als Kind abends Heidelbeeren in Milch mit Zucker als Manna vom Himmel empfand, war jetzt alles öde und egal. Die rebellische jugendliche Silke fand gar nichts mehr davon schön.
Das änderte sich wieder. Nachdem ich bei meinen Eltern ausgezogen war, fehlte mir etwas, das ich zunächst nicht benennen konnte. Ich wohnte in Kassel in einer wenig grünen Straße und realisierte irgendwann, dass mir die Bewegung in der Natur fehlte. Mit dem Fahrrad fuhr ich oft am Wochenende mit Freunden in den Wald. In der Woche lief ich, wann immer es ging, in der Karlsaue oder am Weinberg herum. Ohne Natur kann ich nicht auftanken.
Mittlerweile bin ich naturmäßig völlig entfesselt: Ich raste regelmäßig beim Anblick schöner Naturphänomene aus, kann mich an den Lichtspielen der Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen nicht sattsehen, erfreue ich mich an glänzenden Beeren. Ich bewundere die Beulen und Gewächse, mit denen Bäume die Verletzungen ausgleichen, die man ihnen zugefügt hat, ich liebe tiefere Einblicke in die komplexen Ökosysteme in der Natur, unter anderem im Wald, wo Bäume kommunizieren und Pilze ein waldumspannendes Mycelnetz bilden. Wo Pflanzen einander ergänzen und Tieren Nahrung und Wohnung sind. Wenn ich auf dem Elbhöhenweg hoch über der Elbe laufe, staune ich über die Wege, von denen einige nur aus Wurzeln zu bestehen scheinen.
Am Meer entzückt mich jede platzende Schaumblase, der weite Himmel überm Strand, das besondere Licht der Sonnenuntergänge, der sanfte oder rauhe Wind, die kleinen Sanderlinge, die am Wassersaum rennen – vor der Welle zurück, mit der Welle wieder Richtung Wasser, zurück, hin, immer und immer wieder, unermüdlich. Ich liebe den Rauhreif, den Morgennebel, die Gischt, die Wolkenformation, das Jubeln der Austernfischer; es ist immer wieder groß und wunderbar und neu, jeden Tag, den ich dort bin, bei jedem Gang. Ob Auf Mallorca, Amrum, Hawaii, Bornholm oder Sizilien – das Meer übt eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf mich aus, der ich mich nicht entziehen kann und will. Ich liebe es, frühmorgens am Strand zu sein, den Sand unter meinen Füßen knirschen zu hören, zu spüren, wie meine Füße sich unterschiedlich tief in den Sand drücken, die Kühle des Wassers, und dabei zu sehen, was die letzte Flut hat liegenlassen: Muscheln, malerische Pflanzen, die eine oder andere Qualle, Austern und Treibholz.

Am Mälaren, diesem Saltkrokan-mäßigen See in Schweden, konnte ich die Frische des Wassers förmlich riechen. Die Luft war klar, der Himmel blau, und viele Kinder mit sonnengebleichten Haaren kreischten und spritzten und verbreiteten pure Lebensfreude, so schön! Als ich dort war, ging es mir körperlich sehr schlecht, und ich stand kurz vor einer Hüft-Operation. Mein schmerzender Körper wurde im weichen Wasser schwerelos, und ich kann mir vorstellen, dass diese Begleiterscheinung nicht unerheblich zu dieser Ekstase über den See beigetragen hat.
Lieblingsorte und -objekte
Mein Baum am Elbhöhenweg ist so ruhig und freundlich, ich kann auf seinen Füßen sitzen und mich an seine glatte Rinde anlehnen.

Mein Garten ist, nach vielen Anfängerfehlern, so, dass übers Jahr meist etwas blüht oder schöne Beeren hat. Im ersten Jahr hier hatte ich nur Zwiebelgewächse eingesetzt, so dass nach Schneeglöckchen, Hyazinthen und Tulpen – davon aber richtig viele – Schluss war.



Strukturen
Was mir selbst manchmal fehlt, finde ich in der Natur: Struktur. Wo immer ich bin, fallen mir Besonderheiten, Schönheiten, spannende Formationen oder Muster auf. Moose und Flechten liebe ich besonders. Muscheln, in Formen und Linien gewachsener Efeu – für weniger naturaffine Menschen bin ich manchmal recht anstrengend mit meinem Jubel.
Am Meer finde ich überall Strukturen und Muster: im Watt, im Sand, überall Strukturen und grafische Muster. Und sieh dir diese Moosflecken an – sehen die nicht aus, als hätte ein Troll-Dorf dort eine Straße gebaut?






Ich könnte ewig so fortfahren; du verstehst, was ich meine.
Ja, die Natur ist meine Kraftquelle!
Ohne die Möglichkeit, draußen zu sein, Natur zu fühlen, zu atmen, zu durchqueren, wäre mein Leben sehr arm. Ich brauche das Rascheln der Blätter, das Geräusch meiner Schritte auf Waldboden oder Sand, das nasse Gras am Morgen, das Wasser, das meine Füße umarmt, wenn ich am Wassersaum gehe.
Manche Wolkengebilde und Himmelsphänomene finde ich so gewaltig, dass ich darunter fühle, wie klein ich eigentlich bin. Und dann sehe ich meine Sorgen und Probleme mit anderen Augen. In diesem großen Rahmen sind sie viel kleiner, werden unwichtiger. Dazu kommt, dass ich sie mit jedem Schritt in meinem Kopf weiterbewege und Ideen entwickele.
In der Natur fühle ich mich sehr geborgen und verbunden. Und dir, liebe Birgit, bin ich sehr dankbar, dass ich darüber sogar auf Aufforderung nachdenken und schreiben durfte.
Nutze gemeinsam mit mir die Kraft der Natur
Bei all der Naturliebe ist es logisch, dass ich auch Coachings in der Natur anbiete, nicht wahr? Beim Walk and Talk gehen wir. Du sprichst, ich frage, wir denken. Wir halten inne, lauschen, gucken, atmen frische Luft, gehen über Wiesenwege und durch raschelndes Herbstlaub. Und du kommst erfrischt und mit neuen Perspektiven zurück. Interessiert? Dann sollten wir uns kennenlernen!




Liebe Silke,
du hast mich mit hineingezogen in deine Natur, ich fühle den Sand unter meinen Füßen und schmecke die salzige Meeresluft, herrlich. Interessant finde ich den Abschnitt über Strukturen. Du schreibst, du hättest keine und gleichzeitig siehst du überall welche in der Natur. Vielleicht hast du deine noch nicht entdeckt, du bist doch auch ein Teil der Natur.
Herzlichen Dank für deinen Beitrag und liebe Grüße, Birgit
P.S. Ich fotografiere meist mit der Fuji XT 5 und diversen Wechselobjektiven und mit dem IPhone.
Liebe Birgit,
herzlichen Dank, da freue ich mich, wenn ich so sinnliche Erlebnisse hervorrufen kann.
Ja, du hast recht, ich glaube, das mit der Struktur ist ein alter Glaubenssatz von mir – da hast du mir eine Nachdenk-Aufgabe hingelegt. Danke dafür!
Ich habe sehr gern bei dir mitgeschrieben, und vielen Dank für den Kamera-Tipp.
Liebe Grüße
Silke
Kennst du das, wenn du einen Text liest und denkst ‚SOFORT will ich da auch hin … zu dem Saltkrokansee, zu dem Baum, auf dessen Füßen man sitzen kann, zu dem wilden, verwunschenen Garten‘?
So! Genau das! Dass dieses Gefühl für die Natur in dir wohnt, weiß man zwar spätestens nach der Lektüre sämtlicher Blogartikel und Newsletter, die von Amrum handelten, und von deinem Whatsapp-Status, aber hier im Artikel lebt alles konzentriert auf, die Essenz sozusagen.
Ich habs genossen, mit dir auf Naturreise zu gehen! 😍
Liebe Ulrike,
da kommen mir ja fast die Tränen, so schön finde ich deinen Kommentar! Vielen lieben Dank. Ich nehm’ dich gern mal wieder mit..
Allerliebst,
Silke