Die Autorin spiegelt sich, um die Diskrepanz zwischen zwei Begriffen zu erläutern.

Glaubenssatz und Mindset? Ist das dasselbe?

Mindset und Glaubenssatz werden häufig als gleich dargestellt. Sind sie nicht. Mein Verständnis der Unterschiede erkläre ich dir gern im Folgenden:

Was ist ein Glaubenssatz?

Glaubenssätze werden meist sehr früh im Leben geprägt, teils schon vor der Geburt. Sie bilden sich unbewusst in unseren Köpfen und sind sehr tief in uns verankert. Selbst Erfahrungen, die wir machen, bevor wir uns selbst aktiv erinnern können, speichern wir ab. Wird uns zum Beispiel als Kind vieles abgenommen, sobald wir etwas versuchen, kann daraus der Glaubenssatz entstehen: „Ich schaffe das nicht allein.“

Was Glaubenssätze bewirken können

Ein kleiner Junge balanciert auf einem Schaukelbrett, weil er einen positiven Glaubenssatz (ich werde das schaffen) hat.

Sehr eindrücklich beobachtete ich ein solches Ereignis in der Kleinkindphase meiner Tochter. Einer ihrer kleinen Freunde stellte sich auf ein Schaukelbrett (siehe links auf einem Bild aus dem manufactum-Katalog). Bevor sich der Junge fertig ausgerichtet und die Körperspannung aufgebaut hatte, die er brauchte, um das Brett zu beherrschen, sprang ihm der Vater zur Seite. Er wartete nicht ab, bis sein Sohn es richtig versucht hatte oder gar ein paarmal hingefallen war, sondern griff ihm in die Seiten, um ihn zu halten. Der Junge verlor sofort seine Körperspannung und gab sich komplett in die Hand seines Vaters. Zumindest an dem Tag, an dem ich dabei war, gelang es dem Jungen nicht, sich zu halten.

Bevor sein Vater ihn hielt, war der Junge überzeugt, er könnte auf dem Brett stehen. Zumindest war er beherzt genug es zu versuchen. Aber als sein Vater ihn so ungefragt hielt, war offensichtlich, dass der Junge aufgab und nicht mehr glaubte, es allein zu schaffen.

Dieser Vorfall bewegte mich tief und nachhaltig, so dass ich bei meiner Tochter nur zur Sicherheit neben irgendwelchen Geräten stand (oder auch nicht), und sie musste selbst ausprobieren, wie sie es hinbekommt, auf ein Klettergerüst zu steigen oder zu rutschen. Wenn sie mich um meine haltende Hand bat, bekam sie die, ich habe sie aber nicht durch die Erfahrung hindurch getragen.

Bekannte Glaubenssätze

Glaubenssätze sind generalisierte (= verallgemeinerte) Erfahrungen. Viele davon sind negativ. Über die positiven Glaubenssätze verlieren wir meist nicht viele Worte, die laufen im Hintergrund und bewirken Gutes. Über die negativen Glaubenssätze reden wir häufiger, weil sie uns einschränken. Sehr bekannte limitierende Glaubenssätze (vor allem für Frauen) sind zum Beispiel:

  • Ich bin nicht gut genug
  • Ich schaffe das nicht (allein)
  • Ich bin zu alt dafür
    • meinen Job zu wechseln
    • diesen Rock zu tragen
    • lange Haare zu haben
    • meinen Partner zu verlassen
    • mein Leben neu auszurichten
  • Ich werde nie mit meiner Arbeit echtes Geld verdienen
  • Es ist zu unsicher, allein zu reisen
  • Ich kann mich ohne bestimmte Zertifikate nicht auf diese Stelle bewerben
  • Für eine neue Liebe bin ich zu anspruchsvoll
  • Es ist mir nicht beschieden, glücklich zu sein
  • Nur die anderen können mit Coaching/Trauerbegleitung/IT-Unterstützug (beliebig erweiterbar) erfolgreich sein
  • Ich bin unsportlich
  • Ich bin unstrukturiert
  • Ordnung ist nicht meins
  • Freundschaften halten bei mir nie

Habe ich noch etwas vergessen? Bestimmt! Aber ich glaube, das Prinzip ist klar.

Glaubenssätze prägen unser Denken und Handeln

Bist du davon überzeugt, dass du ein Ziel erreichst, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das auch passiert, deutlich höher als wenn du nicht daran glaubst. Das sagten auch schon berühmtere Menschen vor mir:

„Whether you think you can or whether you think you can´t you are right.“
Henry Ford

Positive wie negative Glaubenssätze beeinflussen uns maßgeblich. Glaubst du, du schaffst alles, weil du es mutig und optimistisch ausprobierst, wirst du in vielen Dingen erfolgreich sein. Hast du eine fröhlich-optimistische Lebenseinstellung, gehst du frei an deine Herausforderungen, wirst du sie leichter meistern als wenn du das Scheitern vor dir her trägst. Glaubenssätze haben die Angewohnheit, zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen zu werden.

Deswegen lohnt es sich, die Glaubenssätze genauer anzusehen, wenn sie dich behindern und in deinem persönlichen Wachstum ausbremsen – wie, das kannst du hier auf dem Blog im Glaubenssatz-Artikel von Sabine Scholze genauer nachlesen.


Das Mindset ist ein bunter Mix

Was bedeutet Mindset?

Das Mindset ist umfassender als ein Glaubenssatz. Es ist ein Mix aus mehreren Glaubenssätzen, Haltungen, Einstellungen, Werten, der Mentalität.

Themen-Mindsets

Du kannst in unterschiedlichen Lebensbereichen ein Mindset haben. Zum Beispiel setzt sich das berühmte Money Mindset, dem sich unzählige Coaches, Geldspezialisten, Gurus auf allen Kanälen widmen, aus vielen Faktoren zusammen:

  • Aus deiner Sozialisation: Ist in deiner Ursprungsfamilie das Thema Geld positiv besetzt, ist es für dich auch kein Angstgegner. Sind deine Eltern wohlhabend und großzügig, erlebst du Geld wahrscheinlich als ein natürliches Thema, dem du dich locker stellst. Kommst du aus weniger privilegierten Verhältnissen, kommt es darauf an, wie der Umgang deiner Eltern mit Geld ist. Schaffen sie es, trotz wenig Geld gut zu haushalten oder war nach der Hälfte des Monats kein Geld mehr da? Auch wenn du schon zwanzig Jahre lang gutes Geld verdienst, setzen sich solche Erinnerungen hartnäckig fest, werden zu Glaubenssätzen und führen möglicherweise zu Mangeldenken. Der Vollständigkeit halber: wohlhabend und geizig ruft auch ein Mangeldenken hervor. Kinder können noch nicht erfassen, ob das Geld wirklich nicht da ist oder aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht freigegeben wird.
  • Aus deiner Haltung: Ob du Geld aus einer Mangel- oder aus einer Fülle-Perspektive siehst, macht enorm viel aus. Agierst du aus Mangel oder aus Gier, wird es schwierig mit der Anziehungskraft für Geld. Siehst du Geld als etwas Schönes, Angenehmes, das dein Leben bereichert. Ist für dich Geld ein Mittel, mit dem du Gutes tun kannst und die Welt zu einem besseren Platz machst, fällt es dir garantiert leichter, Geld anzuziehen.
  • Aus deinen Glaubenssätzen: Hast du dich schon einmal dabei erwischt, wie du dachtest „Reiche Menschen sind schlechte Menschen“, „Millionäre sind immer so arrogant“, „Geld kann ich nur verdienen, wenn ich andere schlecht behandele, ihnen etwas wegnehme etc.“ – mit solchen Sätzen im Gepäck wird sich dein Unterbewusstes hüten, Geld anzuziehen, denn es verheißt ja nichts Gutes!

Growth und Fixed Mindset nach Carol Dweck

Die amerikanische Soziologieprofessorin Carol Dweck prägt in ihrem Buch „Selbstbild“ das Wachstums– und das feste Mindset.

Kurz gesagt, gehen Menschen mit Tendenzen zu einem statischen Mindset davon aus, dass ihre Erfolge auf angeborene Talente zurückzuführen sind. Scheitern sie, wirft sie das zurück, weil sie sich in dem Bereich für untalentiert halten. Ein Mensch mit einem festen (Fixed) Mindset lernt und leistet nicht für sich selbst, sondern für Anerkennung und Urkunden. Fehler werden als Abwertung der eigenen Person begriffen. Personen mit einem Fixed Mindset entwickeln sich nicht gut oder gar nicht weiter, weil sie davon überzeugt sind, wenn etwas nicht gelingt, hängt das mit mangelndem Talent zusammen und lässt sich auch nicht lernen. Außerdem haben diese Menschen häufig Angst vor Herausforderungen und gehen sie deswegen gar nicht erst an.

Ein wachstumsorientiertes Mindset (Growth Mindset) richtet sich auf Leidenschaften und Ziele aus. Es gab schon Genies, die in der Schule als unfähig abgestuft wurden, später aber Bahnbrechendes erfanden, wie zum Beispiel Thomas Alva Edison, der in der Schule als verwirrt bis behindert eingestuft wurde, so dass seine Mutter ihn von der Schule nahm und selbst unterrichtete. Er schien besessen von Entwicklung und arbeitete an der Entwicklung der Glühbirne, der Schreibmaschine, der Fotokamera und anderen technischen Errungenschaften. Er gab sich nie auf und soll z.B. gesagt haben, er sei nicht gescheitert, kenne aber tausend Wege, keine Glühbirne zu erfinden.

Wozu ein Wachstums-Mindset führen kann

Ein beeindruckendes Beispiel aus meinem früheren persönlichen Umfeld ist die leider viel zu früh verstorbene Künstlerin Lorenza Böttner. Ich kannte sie in der Schule als wunderschönen androgynen jungen Menschen namens Ernst „Ernesto“ Böttner, der sich seine schönen Kaftans selbst bemalte. Der achtjährige Junge Ernst hatte sich so sehr einen kleinen Vogel gewünscht, dass er auf einen Hochspannungsmasten kletterte. Er wollte einen Vogel dort oben fangen und mit heimnehmen. Dabei fasste er an die Leitung und verlor beide Arme.

Als ich ihn kennenlernte, war er schon ein überaus begabter und vielseitiger Maler, den nichts davon abhielt, mit Materialien und Techniken zu experimentieren, mit dem Mund und mit den Füßen zu arbeiten, ständig dazuzulernen. Alles, was Menschen mit kompletten Gliedmaßen mit den Armen tun, kompensierte er. Er war unglaublich gelenkig und geschickt. Mit einer Gender-Transformation und komplettem Körpereinsatz wurde er später zur Performance-Künstlerin Lorenza Böttner. Auch politisch setzte sie sich stark ein. Die documenta 14 würdigte ihren Werdegang sehr eindrücklich und zeigte, dass sie sich durch nichts hatte stoppen lassen. Sie ist für mich ein Paradebeispiel für das Growth Mindset.

Glaubenssatz ist nicht Mindset, beides ist veränderbar

Glaubenssätze sind einzelne Verallgemeinerungen, die in unterschiedlicher Mischung mit anderen Faktoren in das Mindset einfließen. Das Mindset ist damit größer und als Gesamtheit langwieriger zu bearbeiten als ein einzelner Glaubenssatz.

Nerven dich Glaubenssätze? Hindert dich dein Mindset am Wachsen? Kommst du nicht weiter in deiner persönlichen Entwicklung? Lass uns mal gemeinsam draufgucken. Buche dir am besten gleich ein kostenloses Gespräch mit mir:

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