Im Beitragsbild siehst du den seiner Vollendung entgegen backenden Marmorkuchen, denn morgen hat meine Tochter Geburtstag. Denkwürdig dabei ist, dass sie zum letzten Mal Geburtstag feiern kann, ohne Mutter zu sein. In knapp fünf Wochen soll ihr Kind kommen. Wir gehen davon aus, dass es sich früher auf den Weg macht. Ihm scheint es zu eng zu werden, und er tritt sie schmerzhaft in alle erreichbaren Eingeweide und Rippen.
Heute wache ich vor dem Wecker auf, das mag ich. Meine Garmin sagt endlich mal, der Sleep Score war in Ordnung mit 80 Punkten. Mehr Digitales tue ich jetzt nicht, denn ich will noch ein wenig nachdenken, schreiben, träumen. So stelle ich mir das vor. Dann flüstert Anne um die Ecke, ob ich mit ihr ins Wohnzimmer komme, auf dem Sofa einen Kaffee trinken, bevor meine Mutter aufwacht. Sie ist gerade bei uns zu Gast für zehn Tage. Das bedeutet, wir müssen viel mehr reden als sonst. Also nichts wie runter, leise den Tag starten, dann den Frühstückstisch decken. Meine Mutter kommt immer noch nicht. Ich gucke nach dem Rechten. Sie war nochmal eingeschlafen und wacht gerade auf. Alles okay.
Bald frühstücken wir gemeinsam, schreiben Einkaufszettel. Anne und ich wollen einkaufen fahren. Gestern Abend haben wir vom anderen Großelternteil von Annes Kind ein Auto bekommen, das wir nutzen können, eine ältere Mercedes C-Klasse. Sehr gemütlich schippern wir darin los. Muttern bleibt im Haus; sie versucht, uns zu retten und in unserem Haus einen Zustand herzustellen, mit dem sie zufrieden ist.
Unsere Zeit ist begrenzt, denn ich bin um 14 Uhr zum monatlichen Treffen mit Annegret und Ruth verabredet. Fleischerei, Supermarkt, Apotheke, Bioladen sind schnell abgehakt, wir flitzen heim. Ich entlade den Wagen, denn Anne ist zu schwanger, meine Mutter zu wackelig, so bleibe nur ich. Wegen der fortgeschrittenen Zeit stelle ich den beiden Klappkörbchen und Kühlbox zum Auspacken hin und entschwinde in mein Zoom-Meeting. Es ist wie immer sehr herzlich und kurzweilig, aber bei mir drängt die Zeit. Wir verabreden einen neuen Termin und ich eile in die Küche. Anne und ich haben frisches Brot und viel Käse mitgebracht; davon essen wir etwas, bevor es an die Arbeit geht.
Muttern hat schon einen Nussbiskuit gebacken, aus dem morgen eine himmlische Heidelbeer-Sahnetorte werden wird. Ich fange mit meinem Käsekuchen an und lasse nebenbei die Butter für den Marmorkuchen warm werden. Anne kann gerade mal eine Weile stehen und mir mit dem Käsekuchen helfen. Sie trennt Eier, wobei sie das Sperma entfernt; das ekelt sie auch im verbackenen Zustand. Ich backe nicht besonders gern, aber sehr gut, was Anne immer wurmt. Heute macht es mir richtig Freude; ich bin im Flow. Selbst der riesige Abwasch danach ficht mich nicht an.
Gegen Ende der Kuchenbäckerei lege ich den noch recht gefrorenen Hühnerfrikassee-Klotz in einen Topf. Wir haben ihn vom Schlachter mitgebracht, dort gibt es hervorragende hausgekochte Gerichte. Genau das Richtige für einen Tag, an dem keine Zeit zum Kochen bleibt. In einem anderen Topf quillt Jasminreis, während meine Mutter daneben Heidelbeeren in rotem Tortenguss aufkocht.
Anne hat starke Schmerzen und liegt auf der Couch. Sie versucht ein wenig zu essen; ich setze mich zu ihr auf einen Sessel, während meine Mutter lieber am Tisch isst. Annes Zustand ist zwischendurch besorgniserregend, aber dann dreht sich „Joachim“, die Leibesfrucht, wieder in eine für Anne bequemere Lage, und wir können aufatmen. Ich jage sie ins Bett, damit ich noch eine Schokoladenglasur zaubern und auf den Marmorkuchen befördern kann. Ich checke die Deko-Bestände, will etwas auf den Kuchen malen oder kleben. Er ist noch zu warm und die Kuvertüre zu weich. Das wird nix mehr heute Abend! Also werfe ich ein paar Silberkugeln in den Längsriss, der sich bei Kastenkuchen immer bildet, und überlasse den Kuchen sich selbst. Zu müde, um noch einen Geburtstagstisch zu bauen. Das Bett ruft auch schon sehr laut. Wohlig ergebe ich mich dem Ruf und schreibe nur noch flott mein #wmdedgt.
Bei Frau Brüllen findest du noch mehr Tagebuchartikel ohne Werbung, ohne Geschwafel. Viel Spaß damit und gute Nacht!



hey silke, wow, was ein sprint quer durch deinen tag! ich bin beim lesen fast ein bisschen außer puste geraten. manche phasen im leben sind einfach so, das wird auch wieder anders 🙂 es ist ja auch echt viel los bei dir/euch! irgendwie auch spannend, das pralle leben – und bald kommt noch ein weiteres hinzu! bei all dem kuchen lief mir auch noch das wasser im munde zusammen. inzwischen werden die leckerigkeiten bei euch ja schon verputzt sein. vielleicht gibt es inzwischen auch schon wieder neues backwertk? backen beruhigt ja irgendwie die nerven finde ich und das essen der leckerigkeiten hält dann auch noch laib und seele zusammen. ich hab auf jeden fall gestern blaubeer-muffins gebacken 😉 hab ein neues rezept ausprobiert und die sind richtig gut geworden. ich drücke die daumen, dass anne in den letzten tagen ihrer schwangerschaft nicht allzu sehr gepiesackt wird! und an dich, an dich denke ich ganz herzlich und danke fürs mitnehmen durch deinen tag! lg
Ach, liebe Iris,
dein Kommentar macht mich ganz heiter. Ja, Backen kann beruhigen, hat es auch. Wir haben auch erst beim Verabschieden gesagt, dass alles glutenfrei war. Annes Freundin hat Zöliakie, und mit Ansage schmeckt es ja manchmal einigen Menschen nicht, hihi. Ein kleiner Rest Kuchen ist noch da, aber Joachims Vater ist gerade da, und wenn wir es mit ihm noch teilen müssen, ist es zu wenig. Morgen gibt es den Rest. Muss ich das Blaubeermuffin-Rezept haben?
Und danke für deine wohltuenden Wünsche. Es ist nicht einfach hier. Joachim tritt so sehr und ist schon recht weit unten, so dass Anne fast immer Schmerzen hat und nicht mehr schwanger sein will. Vier Wochen noch. Und jetzt gehe ich bei dir lesen! Schön, dass du da warst.
Liebe Grüße
Silke
Na das war ja eine Back-Orgie!
Habs erst heute gesehn, da ich Dich am 5. dort noch nicht fand…
Alles Gute dann für Anne und Joachim und natürlich auch für Dich.
Ankommen, alles regeln und wieder einleben dauert seine Zeit, gerade, wenn noch ein Garten daran hängt.
Sonntagmorgengrüsze und eine gute neue Woche
Mascha
Ja, es war meditatives Backen, richtig schön!
Stimmt, es ist viel zu tun, in Haus und Garten, wir wollen ja auch die ganzen kleinen Sachen waschen, die wir für Joachim gekauft haben.
Und der Garten ist wüst! Aber er wird so langsam. Ich freue mich schon auf den Herbst, da kann ich ein paar neue Tulpen- und Perlhyazinthenzwiebeln einsetzen. Jetzt wird erstmal ein bisschen hier und da getrimmt. Für mehr ist es ja schon wieder zu heiß.
Sonntagabendgrüße und eine motivreiche Woche
Silke
Wow! Bei Euch ist ja ganz schon was los. Ich wünsche Euch einen tollen Geburtstag und sende Dir liebe Grüße. Ich denke an Dich!
Marita
Dankeschön! Die Wünsche haben geholfen, es war sehr schön!
Liebe Grüße
Silke
Feiert schön!!!
Okay, haben wir gut hinbekommen. Vielen lieben Dank!