Zum dritten von mir einberufenen Körperliebe-Tag stelle ich dir als erstes eine provokante Frage. Wie redest du mit deinem Körper? Bist du freundlich, wertschätzend, liebevoll? Oder wertest du dich eher ab, weil du dich auf vermeintliche Imperfektionen fokussierst? Du musst es mir nicht verraten. Sei nur ehrlich mit dir selbst.
Es geht um die Selbstgespräche, die wir vor dem Spiegel führen. Worte formen unsere Gefühle, und es ist an uns, wachsam zu sein und unsere Wortwahl in heilsame Bahnen zu lenken.
Selbstgespräche – hör’ gut zu!
Die Beobachtung der Selbstgespräche ist keine Aufgabe für einen Tag. Doch was schön ist: ein Tag genügt, um anzufangen. Es lohnt sich, gegenüber deinen eigenen Zuschreibungen besonders wachsam zu sein. Höre dir gut zu. Sei aufmerksam und achte auf Glaubenssätze. Es würde mich wundern, wenn du keine entdeckst.
Was denkst du zum Beispiel über deinen Bauch, deine Lachfältchen, deine Haare? Gibst du deinem Körper die Schuld, wenn Klamotten im Laden nicht passen wollen? Oder eines der Hoffnungs-Kleidungsstücke, die auf weniger Taillenumfang, mehr Muskelmasse, einen anderen BH warten? Genau! Dein Körper kann für gar nichts etwas; er ist, wie er ist. Und wenn es nicht aus gesundheitlichen Gründen sein muss – was spricht dagegen, ihn genau so anzunehmen?
Vieles lässt sich auch gar nicht ändern. Ist es deine eigene Stimme, die dir erzählt, deine Hüften wären zu breit, deine Fingernagelform ungünstig, dein Kinn zu forsch? An all dem kannst du, wenn überhaupt, nur operativ etwas ändern, aber wozu? Um Menschen zu gefallen, die sich was schämen sollten, so etwas zu sagen? Oder vergleichst du dich mit den Figuren auf Social Media?
Mein Tipp: Trage mal zusammen, was dir so über dich durch den Kopf geht und prüfe es auf Wahrheitsgehalt und Freundlichkeit. Schreibe die Sätze gern auf, dann ist das Ganze greifbarer. Und du kannst später Sätze streichen, die du in die Wüste geschickt und durch Wertschätzendes ersetzt hast.
Schreibe deine Urteile um und lerne die Sprache der Selbstliebe
Wenn du einige wenig freundliche Zuschreibungen ausgemacht hast, die du zu dir sagst und über dich denkst, lohnt es sich, sie umzuschreiben. Wie wäre es zum Beispiel statt „Meine Augen haben tiefe Ringe“ mit „Heute scheine ich etwas Ruhe zu brauchen“? Oder ersetze „Das schaffe ich nie“ durch „Das will ich lernen“. Hört sich gleich besser an, nicht wahr?
Spüre tief in dich hinein, während du dir überlegst, wie du einen negativen- in einen positiven Satz umformulieren kannst. Diese kleine Veränderung klingt, wie so viele, fast zu einfach. Ist sie gar nicht. Es kann gut passieren, dass dein Unterbewusstsein auf dem alten Glaubenssatz beharrt, weil der sich etabliert hat und nicht so leicht sein Terrain aufgibt. Ebenso ist es möglich, dass der neue Satz für dich so ungewohnt gut und freundlich klingt, dass du ihn zunächst gar nicht glauben kannst und es seltsam findest, so liebevoll mit dir umzugehen. Dazu sage ich nur: Eigenlob stimmt!
Gib dir Zeit. Du hast viele dieser Sätze dein Leben lang mit dir herumgetragen, die gehen auch nicht in einem Tag weg. Wichtig ist, dass du sie verfolgst und dran bleibst. Es lohnt sich wirklich; die Veränderung kann bahnbrechend sein. Nebenwirkungen: unglaublicher Anstieg von Selbstbewusstsein und der Wunsch, diesen wunderbaren Körper mit neuer Kleidung zu beschenken.
Darum kümmern wir uns später noch, heute bleiben wir bei den Selbstgesprächen.
Affirmationen und Afformationen
Affirmationen kennst du sicherlich: positive Sätze, die du dir sagen kannst. Vielleicht auch genau die, die du aus deinen negativen Glaubenssätzen entwickelst. Manchmal fühlt sich das etwas seltsam an, so plötzlich so freundlich über dich zu sprechen. Diese Befangenheit, auch wenn ich mit mir allein bin, ist mir sehr bekannt.
Dafür möchte ich dir wärmstens die Afformationen anbieten. Im ersten Moment wirken sie noch seltsamer als Affirmationen, weil sie ungewohnt sind. Was sie aber können: sie machen dein Unterbewusstsein neugierig. Wie das geht? Du formulierst eine Frage mit dem Thema, das dich beschäftigt. Statt „Ich habe so wenig Energie“ kannst du fragen: „Warum spüre ich Tag für Tag mehr Energie?“ Weitere Beispiele: „Was ist heute schön an mir, was ich gestern vielleicht übersehen habe?“ oder „Warum fällt es mir immer leichter, mich freundlich zu betrachten?“ Dein Gehirn schafft es nicht, eine im Raum stehende Frage einfach zu ignorieren.
Wichtig ist die positive Formulierung, auch hier. Besonders hier. Verzichte auf die Wörter ’nicht‘, ‚kein‘, ‚weg‘; benutze stattdessen Wörter, die sich hoffnungsvoll und ermutigend anfühlen. Eine genauere Erklärung mit Beispielen findest du HIER in Martinas Artikel. Sehr lohnenswert und anschaulich, wenn du dich intensiv mit dem Thema befassen willst!
Sprich mit deinem Körper wie mit einer Freundin
Stelle dir vor, du siehst eine gute Freundin an. Ich kann mir vorstellen, dass du nie zu ihr sagen würdest, sie wäre zu fett, ihr Hals sähe aus wie der einer Schildkröte, ihre Brüste hingen asymmetrisch, ihr Pulli sähe total blöd aus.
Was würdest du mit den Augen der Freundschaft und Liebe sehen? Ein paar Pölsterchen, Spuren von Genen und natürlichen Alterungsprozessen, biologisch bedingte Asymmetrien, einen Geschmack, der anders ist als deiner (oder ein Fehlkauf bei falschem Licht oder in einer psychischen Ausnahmesituation).
Wenn du es bei der Freundin aussprichst, sagst du vielleicht:
- Wollen wir mal wieder zusammen kochen? Ich habe ein tolles Rezept für ein köstliches Ofengemüse mit Joghurt-Dipp. Seit ich das kenne, bereite ich es mir manchmal mehrmals pro Woche zu.
- Du, ich habe neulich mal Videos von Gesichts-Yoga-Übungen gesehen, die ich gerade ausprobiere. Total seltsam, aber unerklärlicherweise fühlt es sich gut an und straffer. Willst du mal sehen, wie lustig das aussieht?
- Erinnerst du dich an diese weichen BHs, die sich so gemütlich anfühlen und dabei alles gut halten? Weißt du noch, welche das waren? Ich würde gern mal einen neuen davon kaufen. Kommst du mit?
- Sag mal, als wir letzten Monat bei Selma waren, hattest du so einen wunderschönen Pullover an. Ich glaube, wenn ich so einen hätte, würde ich mir gleich mehrere kaufen und bräuchte gar keinen anderen mehr. Kann ich deinen nochmal sehen?
Natürlich nicht alles auf einmal. Ich bin auch noch nicht sicher, ob die Formulierungen wirklich komplett wertfrei sind. Schreibe mir gern in den Kommentaren, wie du es ausdrücken würdest. Der Freundin und dir selbst gegenüber.
Zum Schluss
Sieh die Vorschläge wie ein großes Buffet, von dem du dir etwas aussuchen kannst. Vielleicht spricht dich eine Idee an, die du sofort ausprobieren möchtest, oder für heute ist gar nichts dabei. Das darf so sein. Selbstliebe ist kein Zwang, sondern ein gemächlicher Prozess.
Wenn du magst, schreibe einen negativen Glaubenssatz und die Umformulierung in die Kommentare. Es kann auch ein Mini-Dialog sein, den du mit dir geführt hast. Wie hat sich das angefühlt? Hast du eine vielversprchende Affirmation oder Afformation für dich gefunden? Lasse es mich und die Blog-Besucher und -Leserinnen gern wissen!
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Dieser Artikel ist die Nummer 3 der Blogdekade von 21. bis 30. August 2025, eine Spezialität von Judith Peters in TheContentSociety. 10 Tage, 10 Gelegenheiten zu schreiben. Was das bringt? Einen Kreativ-Boost, die Gelegenheit, kurze knackige Artikel zu schreiben und viele andere wunderbare Blogartikel in die Welt kommen zu sehen.



So ein wichtiges Thema liebe Silke. Und in all den vielen Jahren bin ich manchmal immer noch so böse und gemein zu mir, wie es niemand Außenstehendes tun würde. Früher war mir das nicht einmal bewusst und heute erschrecke ich mich dann sehr, wenn es wieder passiert ist. Und das Verrückte, mein Körperbewusstsein, die Art wie ich mich wahrnehme ändert sich sofort, sobald ich anders mit mir spreche.
Mein Trick manchmal, ich schaue nicht so oft in den Spiegel, denn meine Augen können so viel wertender sein als mein Körpergefühl. Also bewege ich mich, spüre mich von innen und nehme das mehr und mehr ernster als der Blick in den Spiegel, der mich immer wieder mal wie die böse Stiefmutter im Märchen behandelt.
Danke für dies so wichtige Thema für uns Frauen, aber leider auch mehr und mehr für die Männer
Oh danke, liebe Hilkea!
So witzig, gerade als ich deinen Kommentar gestern las, hatte ich mich vorher im Spiegel gesehen. Gestern ging es mir nicht gut, und alles an mir hing. Augen, Mundwinkel, Hals. Ganz schlimm! An solchen Tagen weiß ich zwar, das wird wieder besser, aber die Bewegung ist freundlicher zu mir als mein Blick. Ich bin ganz bei dir.
Liebste Grüße
Silkle
Liebe Silke, danke sehr für diesen wertvollen Artikel.
Ja, was wir denken und sogar aussprechen wirkt, – immer. Es manifestiert sich und durch das Gesetzt der Anziehung vermehrt es sich.
So gut machst du uns Lesern das wieder bewusst und bietest gleich gute Lösungen.
Betreffend Affir- Afformationen kann ich aus meiner Expertise als Nervensystemcoach sagen, übe besser keine Affirmationen wenn du nervlich nicht im ausgeglichenen Moment bist. Der Schuss geht sonst für dein Nervensystem nach hinten los, weil die Diskrepanz vom Gesprochenen zu dem was die Person fühlt nicht stimmt. Das macht noch unregulierter und nervöser und unruhiger. Afformationen sind da zielführender.
Herzlichst Petra
Liebe Petra,
oh vielen Dank für deinen so schönen und differenzierten Kommentar! So viel Wertschätzung, ich bin begeistert!
Du sagst es, mir sind die Affirmationen auch immer suspekt, wenn sie so gar nicht mit mir in Resonanz sind.
Die Afformationen waren eine echte Entdeckung für mich und funktionieren viel besser!
Ganz liebe Grüße an dich und den Sehnsuchtssee
Silke